Wirtschaft : PreussenElektra profitiert vom Strom-Wettbewerb

HANNOVER (AP/ADN).Mit der besten Jahresbilanz seiner Geschichte ist der Energiekonzern PreussenElektra AG (Hannover) in den freien Stromwettbewerb gestartet.Deutschlands zweitgrößter Stromerzeuger steigerte 1998 sowohl den Stromabsatz als auch seinen Gewinn auf neue Rekordmarken.Nach Aufhebung der Jahrzehnte alten Gebietsmonopole im vorigen April gewann das Unternehmen nach eigenen Angaben bislang mehr Großkunden hinzu, als es an andere Versorger verlor.Allerdings wurden dafür erhebliche Preisnachlässe gewährt.Um Kunden zu halten und neue zu gewinnen, nehme PreussenElektra auch "für 1999 bewußt Preiszugeständnisse in Kauf", sagte Vorstandschef Hans-Dieter Harig bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Hannover.

Mit der Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland und Europa seien die Bedingungen "zweifellos härter und die Entwicklung neuer Strategien unverzichtbar geworden", sagte Harig.PreussenElektra begreife den Wettbewerb als Chance für Modernisierung und Innovationen.Harig verwies auf die im Aufbau befindlichen drei großen regionalen Energieversorger in Norddeutschland, die jeweils aus dem Zusammenschluß mehrerer Töchter entstanden sind: die neue EWE in Oldenburg, die Avacon in Helmstedt und die Energie Nord AG in Fürstenwalde.Daneben werden internationale Kooperationen ausgebaut.Mit der niederländischen Edon will PreussenElektra künftig auch gemeinsam Strom erzeugen.

Zusätzliches Wachstum verspreche der Stromhandel, sagte Harig.Im ersten Quartal 1999 gab es hier zweistellige Zuwachsraten.Insgesamt sei man für dieses Jahr wieder optimistisch.Die Vertriebsaktivitäten sollen auch auf die östlichen Nachbarstaaten ausgedehnt werden.

Das neue, für den Stromhandel zuständige Vorstandsmitglied, Heinz Dieter Waffel, erklärte, PreussenElektra habe eine Reihe namhafter Großkunden verloren, darunter Bosch und Daimler Benz.Im Gegenzug seien aber mehr starke Kunden hinzugekommen, wie das Audi-Werk in Neckarsulm, Volkswagen oder die Stadt Gaggenau.

Bei Privatkunden sieht PreussenElektra-Chef Harig indessen noch keine Möglichkeit für mehr Wettbewerb und Preisnachlässe.Es müsse zunächst geklärt werden, daß ein Kunde beim Wechsel des Stromlieferanten keinen neuen Stromzähler kaufen müsse.Dies sei aber über kurz oder lang regelbar.

Der Konzern verkaufte 1998 mit 106,2 Mrd.Kilowattstunden 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und übertraf auch den bisherigen Höchstwert von 1996 (105,3 Mrd Kwh).Nicht zuletzt aufgrund der Preisabschläge gingen die Umsatzerlöse jedoch leicht auf 16 Mrd.DM nach 16,2 Mrd.DM zurück.Das Ergebnis vor Steuern kletterte dagegen um 10,5 Prozent auf 3,4 Mrd.DM, der Reingewinn um eine halbe Mrd.DM oder fast 30 Prozent auf 2,3 Mrd.DM.Die Investitionen blieben mit 2,9 Mrd.DM deutlich unter Vorjahresniveau.Vom Reingewinn fließen 680 Mill.DM an die Konzernmuttern Veba, 1,35 Mrd.in die eigenen Rücklagen.

PreussenElektra-Chef Hans-Dieter Harig kritisierte auf der Bilanzpressekonferenz die Haltung der Bundesregierung im Umgang mit der Kernenergie scharf.Das vorzeitige Abschalten von Kernkraftwerken alleine aus politischen Gründen hätte eine "willkürliche volkswirtschaftliche Schädigung" zur Folge.Die Kernkraftwerke sollten so lange am Netz bleiben, wie sie sicher und nutzbar seien.Nach ihrem "energiepolitischen Fehlstart" wäre die Bundesregierung daher gut beraten, die Kernenergiefrage "insgesamt niedriger zu hängen", betonte Harig.Bei Fortbestand der derzeitigen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen werde die Kernenergienutzung ohnehin langfristig marktwirtschaftlich auslaufen.

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