Wirtschaft : PreussenElektra unter Strom

DANIEL WETZEL

Der Markt gehört nicht den Größten, sondern den Schnellsten.Viele kleinere Stromkonzerne haben sich mit Sinnsprüchen dieser Art Mut gemacht, als im April vergangenen Jahres der deutsche Energiemarkt liberalisiert wurde.Ein Jahr nach der Marktfreigabe sind solche Seifenblasen zerplatzt.Die glänzende Bilanz der PreussenElektra zeigt, daß die Größten in diesem Markt auch die Schnellsten sind.Von einem Wettbewerb wie er in der Telekommunikation tobt, sind die Energiekonzerne jedenfalls noch weit entfernt.Einen Herausforderer wie Mobilcom sucht man in der Energiebranche vergebens.Ein Regulierungsfehler?

Tatsächlich stecken die drei Markführer RWE, Bayernwerk und PreussenElektra zur Zeit relativ ungehindert ihre Claims ab.Im Norden gibt es so gut wie keinen Versorgungsbetrieb mehr, an dem die Hannoveraner Preussen nicht mindestens eine Sperrminorität hätten.Die Kernkraftwerke Brokdorf, Brunsbüttel, Krümmel und Stade gehören ebenso zu ihrer Einflußsphäre wie Esenshamm, Grohnde oder Lingen.Im Aufsichtsrat der Berliner Bewag hat PreussenElektra ebenso Sitz und Stimme wie in den Kontrollgremien aller ostdeutschen Versorger einschließlich des Marktführers Veag.

Zwar muß auch PreussenElektra mit Preisnachlässen gegen die Konkurrenz kleinerer Herausforderer kämpfen.Doch ist der daraus resultierende Etragsrückgang für ein Unternehmen leicht zu verkraften, das seine Produktivität um über 40 Prozent steigern konnte.Der Wettbewerb schmerzt die deutschen Energieriesen also nicht wirklich: Ein Indiz für einen Konstruktionsfehler.Wie in der Telekommunikation sollte der Bundeswirtschaftsminister die Marktbarrieren für kleinere Unternehmen senken.Herr Müller, wir warten auf Vorschläge.

0 Kommentare

Neuester Kommentar