Wirtschaft : Prijatnogo Appetita

Russen mögen’s warm: dreimal am Tag Suppe und viele Kartoffeln

Cornelia Wagner

Morgens warm, mittags warm und abends auch. Und immer gibt es Suppe. „Abends einfach nur Brot zu essen, das kann nicht gesund sein“, sagt Julia Gutsch mit Blick auf deutsche Essgewohnheiten. Die 43-Jährige führt das Restaurant „Grüne Lampe“ in der Charlottenburger Uhlandstraße. Es wurde nach einem berühmten Petersburger Club der zwanziger Jahre benannt. Die gebürtige Petersburgerin kam 1989 nach Berlin. Mehrere Jahre hatte sie ein Reisebüro, das sich speziell an Russen richtete. Nachdem das Geschäft aber nicht mehr so gut lief, erfüllte sie sich ihren Traum und eröffnete im April vergangenen Jahres das Restaurant für russische Spezialitäten. „Ich finde es ungerecht, dass alle italienisches, asiatisches oder türkisches Essen kennen, aber die russische Küche in Deutschland keine Beachtung findet“, sagt Gutsch. „Dabei sind sich die deutsche und russische Küche so ähnlich. Beide sind sehr bodenständig. Es gibt viel Kartoffeln, Kohl und Fleisch.“

Noch häufiger als russische Gäste kommen deutsche in das Restaurant. Am häufigsten bestellen die Gäste Suppen. Zum Beispiel Borschtsch – die russische Suppe mit Rote Beete, Kohl, Rindfleisch und jeder Menge Zwiebeln. Die große Spezialität in der „Grünen Lampe“ ist der „Caviar-Brunch“ jeden Sonntag, bei dem es ausgesuchte russische Spezialitäten und roten Kaviar gibt.

Rund 32 000 russischsprachige Einwohner sind in Berlin gemeldet. Schätzungen gehen aber von mindestens 50 000 aus. Nach Angaben des Berliner Handelsverbands haben sich rund 200 davon im Einzelhandel selbstständig gemacht. Russische Spezialitäten kann man in etwa fünfzehn Restaurants bekommen. Fünf russischsprachige Zeitungen und neun Kulturvereine halten die russische Community zusammen.

Anna und Igor Rubin führen seit knapp einem Jahr in der Passauerstraße direkt neben dem KaDeWe das Lebensmittelgeschäft „Rossia“. Hier gibt es typische russische Spezialitäten wie in großen Gläsern eingelegtes Gemüse, kleine, bunt verpackte Süßigkeiten sowie Backwaren, die jeden Tag vor Ort frisch hergestellt werden. Der Laden ist gefüllt mit bunten Konservendosen, Gläsern und Päckchen, frischem Obst und einer großen Fischtheke. „Beliefert werden wir von russischen Importeuren und Russen, die in Deutschland produzieren“, sagt die Geschäftsfrau. Die Kundschaft besteht überwiegend aus Russen. „Wir werden jetzt aber auch vermehrt vom deutschen Publikum entdeckt“, sagt Anna Rubin. Und aufgrund der Nähe zum KaDeWe kommen auch viele Touristen vorbei.

„Die Sachen hier schmecken mir einfach und ich bekomme Produkte, die ich gewohnt bin“, sagt die russischstämmige Jana Woldmann. Die gebürtige Ukrainerin Juliane Brandt war gerade im KaDeWe einkaufen und hat die riesige russische Flagge gesehen, die über dem Geschäft weht. „Und da bin ich gleich hingegangen. Hier gibt es Produkte, die ich für die russische Küche benötige und nicht so gut in einem deutschen Supermarkt bekomme“, sagt sie und zeigt auf zwei Päckchen Hirse und Buchweizen. Die benötigt sie, um später eine russische Suppe zu kochen.

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