Wirtschaft : Printen für Bill Clinton

Karen Wientgen

Bill Clinton hat sie gegessen, die thailändische Königin Sirikit auch und dem ClintonVorgänger George Bush schmeckten sie offenbar so gut, dass er gar einen Dankesbrief nach Deutschland schrieb. Die Rede ist von deutschen Lebkuchen und Printen. Doch die prominenten ausländischen Liebhaber des deutschen Gebäcks sind nicht repräsentativ.

Denn während hier zu Lande von September bis Dezember tonnenweise Lebkuchen, Printen und Dominosteine verkauft werden, ist die Nachfrage für deutsches Weihnachtsgebäck im Ausland begrenzt. Der Slogan "Made in Germany" greift ausgerechnet bei der vermeintlich beliebten Marke deutsche Weihnachtsgemütlichkeit nicht. Dabei sind deutsche Weihnachtsbäcker auf Export angewiesen. Der deutsche Markt ist gesättigt.

"Lebkuchen sind typisch deutsche Produkte, die mit der Weihnachtszeit und alten überlieferten Traditionen zu tun haben", sagt Hermann Bühlbecker, Inhaber der Unternehmensgruppe Lambertz mit den bekannten Aachener Printen. Daher sei der Weg ins nicht-deutschsprachige Ausland "sehr, sehr schwierig", sagt der Chef des deutschen Marktführers für Weihnachtsgebäck. Der Grund: Das Gebäck sei wegen der Gewürze schon "sehr speziell".

Immer wieder mal habe eine Supermarktkette im Ausland das für Ausländer exotisch anmutende Gewürz-Gebäck ins Sortiment genommen. Doch die Erfahrungen waren immer die gleichen: "Es läuft nur in bestimmten Regionen wie zum Beispiel dem französischen Elsass gut." Denn dort leben viele Deutschstämmige. Vor einiger Zeit wandte sich eine Kundin aus China am Lambertz mit der Frage, wo man denn in China Printen kaufen könne. Der Lambertz-Chef lachte schallend und schickte dann ein Paket in den fernen Osten. Die Kundin war eine Deutsche, die seit Jahrzehnten in China lebt.

Wegen Beispielen wie diesem spricht Lambertz von "ethnischen Märkten". Auch bei Bahlsen in Hannover vermutet man, dass ein großer Teil der ausländischen Käufer deutschstämmig ist. Das Nürnberger Unternehmen E. Otto Schmidt GmbH & Co. KG zieht seinen Kundenkreis weiter. Der Vertriebschef Volkmar Sohnrey zählt auch die US-amerikanischen Soldaten dazu, die mal in Deutschland stationiert waren. Überhaupt, findet der Vertriebschef: "Jeder Amerikaner, der mal hier war, weiß die Lebkuchen zu schätzen."

Für Lambertz ist das deutsch-sprachige Ausland der wichtigste Exportmarkt. In Österreich, der Schweiz, Südtirol, dem Elsass und den Grenzgebieten von Holland und Belgien verbucht das Aachener Unternehmen steigende Umsätze. Im nicht-deutschsprachigen Ausland komme die höchste Nachfrage aus den USA. "Der Markt ist offener als andere", sagt der Lambertz-Exportleiter Walter Dittmann.

Die USA sind auch für andere Weihnachtsbäcker ein wichtiger Exportmarkt. Bei Bahlsen gehen nach eigenen Angaben 80 Prozent des Exports von Lebkuchen und Stollen in die Vereinigten Staaten. Und das Nürnberger Unternehmen E. Otto Schmidt will zwar keine näheren Angaben über seine Export-Struktur machen. Doch erklärt Vertriebs-Chef Sohnrey: "Lebkuchen in die USA zu exportieren, ist kein größeres Problem." Der Export in andere Länder sei "schwieriger, weil die eigene Spezialitäten haben." Die Schmidtschen Lebkuchen gehen in 86 Länder der Welt - zu den Kayman-Inseln, nach Ecuador bis nach Chile.

Nicht nur zur Weihnachtszeit

Wenn deutsche Printen- und Lebkuchenbäcker ihre Nachfrage im Ausland ankurbeln wollen, müssen sie sich etwas einfallen lassen. Lambertz setzt auf Marketing. Das Unternehmen verkauft die Verpackung "deutsches Weihnachten" im Ausland mit einem anderen Inhalt. In schönen Dosen mit deutschen Weihnachtsmotiven packt das Unternehmen einfach ganz normales Gebäck wie Plätzchenmischungen oder beispielsweise Florentiner. Gleichzeitig versucht Lambertz-Exportleiter Dittmann, die Lebkuchen und Printen vom Weihnachtsimage zu lösen - da sie gegen portugiesischen Königskuchen und spanischen Torrone ohnehin keine Chance hätten. Er verkauft die Weihnachtsköstlichkeiten als so genanntes nicht-saisonales Gebäck, das eine alte Tradition hat. "Bereits vor 4000 bis 5000 Jahren hat man im alten Ägypten und Griechenland Honiggebäck gegessen", erklärt er schon mal, wenn er mit Einkaufsleitern ausländischer Supermarktketten verhandelt. In Großbritannien hat Lambertz es mit dieser Strategie geschafft. Dort sind Pfeffernüsse und Lebkuchen mittlerweile das ganze Jahr über im Angebot.

Der Weg ins ausländische Regal ist für Printen und Lebkuchen häufig schwierig. Der Weg vom Regal in den Einkaufswagen ebenfalls. Leichter wird der anfängliche "Widerstand" gegen das deutsche ExotenGebäck überwunden, wenn es als Geschenk daherkommt. Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl hatte bei Staatsbesuchen im Ausland die Lambertz-Printen dabei. Einige der Beschenkten setzten sich hinterher hin und schrieben einen Dankesbrief an die Printen-Firma. Etwa Clinton. Oder sein Vorgänger George Bush, der die braunen Stangen zusammen mit Gattin Barbara im Weißen Haus knabberte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben