Wirtschaft : Prior wegen Insiderhandel angeklagt

FRANKFURT (MAIN) (ro).Zum ersten Mal hat ein Gericht wegen eines angeblichen Insiderverstoßes Anklage erhoben.Der Börsenjournalist Egbert Prior muß sich möglicherweise ab Frühjahr 1999 vor der Wirtschaftsstrafkammer des Frankfurter Landgerichts wegen des Vorwurfs verantworten, mit dem Kauf von Aktien und mit Kaufempfehlungen bei einem Börsenspiel des Fernsehsenders 3Sat unrechtmäßig einen Gewinn von 175 000 DM erzielt zu haben.Prior droht jetzt laut Wertpapierhandelsgesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.Der 34jährige, im Frühjahr zeitweise als neuer Börsenguru gefeiert, weist die Vorwürfe zurück.Sie gingen ins Leere.Zudem dürfte es schwerfallen, "Inhalte eines Börsenspiels, das als spannende Unterhaltung konzipiert ist, zu Insidertatsachen hochzustilisieren".

Prior werden zwei unrechtmäßige Börsengeschäfte vorgeworfen.Er habe Aktien im Wissen gekauft, daß er sie kurz danach einem breiten Publikum als besonders lukrativ empfehlen würde.Am 10.Februar 1998 kaufte er 900 Aktien des bayerischen High-Tech-Unternehmens SCM zu einem Kurs von 93,20 DM.Drei Tage später empfahl er diese Aktien in der 3Sat-Börse Fernsehzuschauern als heißen Tip.Nachdem der Kurs in den nächsten Tagen um 30 Prozent in die Höhe schoß, stieß Prior die Papiere am 4.März für 129,70 DM und mit einem Gewinn von 32 850 DM wieder ab.Am 10.und 11.März kaufte er 200 Mobilcom-Aktien zu einem Kurs von rund 870 DM, am 13.März empfahl er diese Papiere ebenfalls in 3Sat und sprach von einem Kurspotential von bis zu 3000 DM.Am darauffolgenden Montag stieg das Papier in der Spitze bis auf 1900 DM, einen Kurssprung, den die Börse in Frankfurt an einem Tag noch nie erlebt.Prior hält die Aktien zwar noch.Staatsanwalt Rolf Heiter unterstellt aber trotzdem einen unrechtmäßigen Gewinn von über 140 000 DM.Prior habe nur deshalb nicht verkauft, um einen höheren Kredit für seine Wertpapiergeschäfte zu erlangen.

Auch gegen den mit Prior in Kontakt stehenden Vorstandschef der Berliner Freiverkehr (Aktien) AG hat die Staatsanwalt ermittelt.Holger Timm hatte durch Insidergeschäfte mit der Sixt-Aktie im Februar einen unrechtmäßigen von 57 000 DM erzielt.Gegen Timm ist bereits ein Strafbefehl in Höhe von 150 000 DM ergangen.

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