Wirtschaft : Privatbank SMH geht in Schweizer Hände über

Hauptanteilseigner Londoner Lloyds Bank zieht sich zurück / Bislang Bayerische Vereinsbank sowie Hypobank als Käufer gehandelt
FRANKFURT (MAIN) (dpa).Die Übernahmewelle in der Bankenszene rollt weiter: Die britische Lloyds Bank gibt ihre traditionsreiche Frankfurter Privatbank-Tochter Schröder Münchmeyer Hengst & Co (SMH) in Schweizer Hände.Das größte eidgenössische Kreditinstitut, die Schweizerische Bankgesellschaft (UBS), will die deutsche Vermögensverwaltungsbank für rund 350 Mill.DM kaufen, teilten die beiden Institute am Dienstag in Frankfurt mit.Das Vorhaben trieb im frühen Börsengeschäft die Kurse deutscher Bankaktien in die Höhe.Fusionsphantasien erhielten, wie zuletzt bei ähnlichen Spekulationen um die Commerzbank, neue Nahrung. Für Bankexperten kam der Verkauf nicht überraschend."SMH stand schon seit geraumer Zeit auf der Verkaufsliste", sagte Jürgen Junginger von "Independent Research - Unabhängige Finanzmarktanalyse Frankfurt".Die Londoner Lloyds Bank, bisher mit gut 91 Prozent Mehrheitsgesellschafterin der SMH, habe sich strategisch in eine andere Richtung entwickelt und immer wieder Verkaufsabsichten durchblicken lassen.Eine Überraschung sei dagegen der Käufer."Die Schweizer haben den Bayern diese Perle weggeschnappt", meinte Junginger.Bisher galten nämlich die beiden Münchener Institute Bayerische Hypo- und Vereinsbank als Favoriten im Übernahmepoker um SMH. Auch die drei persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank, Ulrich Schütte, Adolf Kraus und Jochen Neynaber sowie die Management Beteiligungsgesellschaft, die weitere Anteile leitender Mitarbeiter poolt, werden an UBS verkaufen, sagte ein SMH-Sprecher.Während Schütte und Kraus weiterhin der Geschäftsführung angehören, scheidet Neynaber aus der Bank aus.SMH werde auch künftig als UBS-Tochter an den bisherigen Standorten in Deutschland vertreten sein.Damit soll der Charakter als deutsche Privatbank zum Ausdruck gebracht werden, hieß es.Sprecher der Bank werden der heutige Vorstandssvorsitzende der UBS Deutschland, Peter Faes, und Ulrich Schütte aus der SMH-Geschäftsleitung. Die UBS will sich mit dieser Transaktion auf dem größten Finanzmarkt Kontinentaleuropas besser positionieren und den profitablen Bereich der Privat- und Vermögensverwaltung weiter ausbauen.Der schweizerische Bankenriese wies für das erste Halbjahr 1997 einen Konzerngewinn von 1,9 Mrd.Franken (rund 2,3 Mrd.DM) aus.Die Bilanzsumme belief sich auf 515 Mrd.Franken.Die Bankgruppe beschäftigte zur Jahresmitte rund 29 000 Mitarbeiter.SMH entstand 1969 aus dem Zusammenschluß von drei traditionsreichen Privatbankhäusern - Gebrüder Schröder, Münchmeyer und Friedrich Hengst.1984 nahm die britische Lloyds Bank das Ruder in die Hand.Das Privatbankhaus hat rund 400 Beschäftigte.

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