Wirtschaft : Privatbankiers haben den Neuen Markt entdeckt

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Vor gut sechs Jahren zog das kleine, aber sehr feine Haus zum letzten Mal in Frankfurt größere Aufmerksamkeit auf sich. Damals ehrte die Stadt Frankfurt die Bankiersfamilie Rothschild und ihr Wirken für die deutsche Finanzmetropole aus Anlass des 250. Geburtstages von Mayer Amschel Rothschild, der 1764 die Wurzeln für eines der einflussreichsten Geldhäuser in der Geschichte Europas legte. Erst 1989 eröffneten die Rothschilds nach fast 100jähriger Abwesenheit wieder eine kleine Repräsentanz am Main. Es werde noch 20 oder 30 Jahre dauern, sagte Baron David de Rothschild am Geburtstag des Stammvaters im Februar 1994, bis Rothschild in Deutschland wieder ein größeres Unternehmen sei. Sechs Jahre danach haben die feinen Banker die ersten großen Schritte dazu hinter sich gebracht, wie Stephan Krümmer, Geschäftsführer der Rothschild GmbH in Frankfurt sagt. Über Zahlen hüllt auch er sich ganz in der Tradition seines Hauses in Schweigen. Nicht eine einzige Ziffer dringt aus seinem Mund. Aber die gerade mal 25 Mitarbeiter machen angeblich gute Geschäfte, der Name Rothschild und das erstklassige Team, wie Krümmer glaubt, ziehen auch in Deutschland wieder.

Das klassische Investmentbanking ist heute das Hauptfeld, das die Rothschilds hierzulande beackern - Beratung bei Privatisierungen und Börsengängen, diskrete Hilfe bei Fusionen und Übernahmen. Eine Banklizenz haben die Rothschilds nicht und wollen sie auch nicht haben, wie Krümmer betont. Vermögensverwaltung oder Private Banking überlassen sie anderen. Die Deutsche Telekom zählt zu den Kunden, genauso wie die Deutsche Post oder die Frankfurter Flughafen AG. Telekommunikation, Versorger und Maschinenbau sind die Branchen, in denen Rothschild stark vertreten ist. Ein ganz besonderes Augenmerk legt das "alte" Unternehmen aber auf die "New Economy", auf das Internet und damit auf den Neuen Markt. Gerade hier sieht Krümmer interessante Aufgaben, nicht zuletzt deshalb, weil am Neuen Markt eine Fusionswelle in Gang komme, bei der gute Berater gefragt seien.

Unabhängigkeit, absolute Seriosität, ein höchst diskretes Auftreten und erstklassige Leistungen sind für Krümmer die Erfolgsfaktoren, mit denen sich Rothschild in der Vergangenheit und in Zukunft gute Geschäfte sichert. Dass dies seinen Preis habe, sei klar. Trotzdem könne Rothschild auch für den mittelständischen Maschinenbauer auf der schwäbischen Alp ein interessanter Partner sein. Nach Angaben von Experten hat Rothschild schon jetzt eine herausragende Position unter den Investmentbanken. Gemessen an der Anzahl waren die Bankiers mit 160 M & A-Aufträgen 1999 in Europa die Nummer eins und in Deutschland gemessen am Volumen die Nummer drei. Weltweit beschäftigten die Rothschilds in rund 30 Ländern etwa 2500 Mitarbeiter.

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