Wirtschaft : Private Arbeitsvermittler skeptisch

Die Bilanz nach dreijähriger Tätigkeit fällt magerer aus als erwartet BONN (rtr).Seit drei Jahren, seit dem 1.August 1994, sind in Deutschland private Arbeitsvermittler zugelassen.In ihrem ersten Geschäftsjahr wollten sie für 100 000 Arbeitssuchende eine neue Stelle finden.Das ist nicht gelungen.Mit nur 50 000 erfolgreichen Vermittlungen wäre man in diesem Jahr schon zufrieden.1996 ist es gelungen, 35 000 Menschen über private Agenturen zu vermitteln. Während die Vermittlungen steigen, hat die Zahl der privaten Vermittler abgenommen.Der Bundesverband Personalvermittlung (BPV) zählt derzeit 400 Mitglieder.1994 waren noch 485 private Vermittler in dem Branchenverband organisiert."Der Markt der Personalvermittler befindet sich auf Konsolidierungskurs", sagt dazu BPV-Chef Diethelm Bender.Einerseits seien die Geschäftsaussichten überschätzt worden.Zum anderen habe sich die Konjunktur schlechter entwickelt als erwartet.Insgesamt hat die Bundesanstalt für Arbeit (BA) bis Ende März 1997 mehr als 3500 Lizenzen für private Vermittler vergeben.Die Lizenz ist relativ einfach zu bekommen und für den Geschäftsstart wenig mehr als ein Telefon und eine Kartei erfoderlich. Überlebenschancen haben laut Bender vor allem große, bundesweit tätige Personaldienstleister, die auch in der Zeitarbeitsbranche arbeiten, oder kleine spezialisierte Unternehmen.Dabei konzentrierten sich die kleineren Unternehmen entweder auf ihren regionalen Markt oder auf bestimmte Berufsgruppen - etwa in der EDV-Branche oder im Gesundheitswesen.Als Honorar nehmen die Vermittler vom Arbeitgeber bis zu zwei Brutto-Monatsgehälter. Während die BA vorrangig Arbeitslose vermittelt, helfen die privaten Agenturen vor allem beim Stellenwechsel.Daß die Privaten im vergangenen Jahr gleichwohl etwa ein Viertel Arbeitslose vermittelten, bezeichnet Bender als Mitnahmeeffekt.Er sieht seine Branche eindeutig nicht als Konkurrenz zur (BA).Die privaten Personalvermittler betrachteten sich eher als "ausgelagerte Personalabteilung" der Unternehmen.Wenn man auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten in der eigenen Kartei niemand finde, wendeten sich die privaten Vermittler auch an die Arbeitsämter, erklärt Bender. Die staatliche Arbeitsverwaltung hat sich auf die Konkurrenz eingestellt. Von 1994 bis 1996 konnte die Bundesanstalt nach eigenen Angaben mit ihren rund 6000 Arbeitsvermittlern die Zahl der Vermittlungen von knapp 3,1 Mill.auf gut 3,3 Mill.im Jahr steigern.Rund die Hälfte der Menschen war vorher arbeitslos.Die meisten Beschäftigungsverhältnisse werden allerdings nach wie vor weder über die Bundesanstalt noch über private Vermittler geschlossen.In zwei Drittel aller Fälle machen das Unternehmen und Bewerber unter sich aus.

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