Wirtschaft : Private gelten als effektiver und näher am Kunden

Was Versorgungsbetriebe leisten, wenn man sie auf Effizienz trimmt (und was nicht), lässt sich in der Hauptstadt beobachten: Die Berliner Wasserbetriebe, zur Hälfte privatisiert, liefern dem Land und den privaten Eigentümern RWE und Veolia stabil hohe Renditen – auch weil ihre Kunden im Bundesvergleich recht hohe Preise zahlen. Berlins Bürger sammelten Unterschriften für ein Volksbegehren zur Offenlegung der Verträge, da bisher geheim ist, wie viel genau die Privaten mit Berliner Wasser verdienen.

Viel klarer sind die Verhältnisse bei den komplett privatisierten Versorgern: Der Gaskonzern Gasag gibt heute zwar gut einem Drittel weniger Menschen Arbeit als vor zehn Jahren, dafür macht er Millionengewinne, die er vor allem in Berlin reinvestiert. Er baut sein Angebot mit Energiedienstleistungen aus, investiert in Bioenergie, bohrt nach Erdwärme, fördert Sport und Kultur. Ob die Gasag heute – wäre sie noch in Landeshand – so stark nach kreativen Lösungen und Kundenkontakt suchen würde, um im Wettbewerb zu bestehen, ist fraglich.

Auch das Strom- und Wärmeunternehmen Vattenfall gilt heute als kundennäher als zu Bewag-Zeiten und hat sich auch in der Energieerzeugung nicht aus der Region zurückgezogen. Vattenfall ist weiter einer der größten Arbeitgeber. Auch die Strompreise sind in der Hauptstadt, bei allem Unmut über die jüngste Erhöhung, eher moderat. Die Gewinne, die Vattenfall heute dank schlankerer Struktur erwirtschaftet, bleiben auch nach Steuerabzug in der Hand des Staates – allerdings in der des schwedischen. kph

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben