Wirtschaft : Private Kreditinstitute geben den Schwarzen Peter zurück

ROLF OBERTREIS (MAIN)

Schulterschluß im Kampf um die Geldautomaten / Offensive gegen die Sparkassen / Preissenkung angekündigtVON ROLF OBERTREIS (MAIN) FRANKFURT.Ob es Verlierer gibt, ist eine Frage des Standpunktes, ein Sieger des Geldautomaten-Streites zwischen den privaten Banken und Sparkassen allerdings steht in jedem Fall fest: Die Kunden der Großbanken und der jeweiligen Direktbanken.Wenn sie vom 16.März an an einem der rund 6000 Geld-Ausgabe-Automaten der jeweiligen Institute Geld abheben, kostet sie das keinen Pfennig.Das gilt für die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Commerzbank, die Bayerische Vereinsbank und die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank sowie für die Bank 24, die Advance Bank, die comdirect und die Direkt Anlage Bank.Dem hat jetzt das Kartellamt in Berlin zugestimmt.Für die Kunden von Sparkassen und Volksbanken ändert sich nichts.Versorgen sich Sparkassenkunden an einem der gut 17 600 Automaten einer Sparkasse mit Barem, ist das weiterhin kostenfrei.Nehmen sie die Geräte von privaten Banken oder von Volksbanken in Anspruch, kostet sie das 4 DM oder ein Prozent des abgehobenen Betrages, wenn dieser 400 DM übersteigt, bei der Deutschen Bank generell 4 DM.Dies gilt genauso für Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken.Nehmen sie die 13 000 Automaten von Volksbanken in Anspruch, kann dies bis zu 2 DM kosten, egal wieviel sie abheben.Umgekehrt müssen Kunden der Groß- und Direktbanken jene 4 DM oder das eine Prozent zahlen, wenn sie bei Volksbank-Automaten Geld abheben.Sparkassen verlangen allerdings deutlich mehr: Die Spanne liegt zwischen fünf und zehn DM, in der Regel sind es sieben DM.Die Deutsche Bank und ihre Direktbank-Tochter Bank 24 nehmen diese ihrer Ansicht nach "völlig" überhöhten Preise nicht hin.Holt sich einer ihrer Kunden an einem Sparkassen-Automat 400 DM erstatten sie statt der geforderten 7 nur 4 DM.Die Differenz muß die Sparkasse drauflegen.Konsequenz: Viele Sparkassen haben ihre Geräte für Kunden der Deutschen Bank und der Bank 24 gesperrt.Dies gilt für die Stadtsparkasse Köln, vor allem aber für Sparkassen in Ostdeutschland.Bereits bei elf Instituten sind die Geräte dicht, bei weiteren 8 steht dieser Schritt nach Angaben des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes (OSGV) unmittelbar bevor."Zu" für Deutsche Bank und Bank 24 sind die Sparkassen-Geräte unter anderem in Potsdam, Chemnitz, Dresden, Freiberg, in Märkisch-Oderland und im Voigtland.Mit der jetzt vom Kartellamt abgesegneten Vereinbarung zwischen den Großbanken ist ein vorläufiger Schlußpunkt in einem Streit um die Nutzung der bundesweit rund 41 000 Automaten erreicht, der seit Anfang 1997 die Gemüter in der Finanzwirtschaft erhitzt hat.Auslöser waren die Sparkassen und die neuen Direktbanken der großen Geldhäuser.Diese Institute verfügen über keine eigenen Geldautomaten, profitieren deshalb angeblich von den Geräten der Sparkassen.Ende 1996 setzten sich Sparkassen und Banken deshalb zusammen, um die bestehende Vereinbarung über die Nutzung der Geräte entsprechend zu überarbeiten.Bis zu 7 DM sollten für die Nutzung der Automaten in Rechnung gestellt werden.Doch das Kartellamt in Berlin lehnte ab: Mit Blick auf die Kosten gebe es für eine so hohe Gebühr keine ersichtliche Begründung.Die Sparkassen kündigten daraufhin die bestehende Vereinbarung über die Geldautomaten.Beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) wertet man die Kostenfrage anders.Die Sparkassen müßten zu auskömmlichen Preisen kommen.Und dies könnten bis zu sieben DM sein.Nach Angaben der Sparkassen kostet die Aufstellung eines Automaten rund 100 000 DM.Bei 200 000 DM pro Jahr lägen die laufenden Kosten.Erst ab 2000 Anhebungen pro Monat rechne sich ein Gerät.In dünn besiedelten Gebieten kommen Sparkassen angeblich nicht auf diese Frequenz."Die privaten Banken", so DSGV- Sprecher Henning Löber, "sollten sich auf Dauer zu einer vernünftigen Regelung bereit finden".Nach Angaben des Sprechers der Deutschen Bank, Walter Schumacher, allerdings sind 4 DM voll auskömmlich und lassen sogar Raum für einen Gewinn der Institute.Für die privaten Banken ist die ursprüngliche Regelung, die 4 DM beziehungsweise ein Prozent vorsieht, weiter in Kraft.Die Kündigung durch die Sparkassen sei rechtswidrig.Auch die Volksbanken sehen keinen Grund für Preiserhöhungen.Auch unabhängige Beobachter halten 4 DM eher für angemessen und werfen den Sparkassen "Abwehrkonditionen" und eine "Blockadepolitik" vor.

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