Private Postdienste : Der Chef will Pin übernehmen

Die 9000 Mitarbeiter des angeschlagenen Briefzustellers Pin AG müssen weiter um ihre Zukunft bangen: Mehrheitsaktionär Springer gibt kein Geld mehr und erwägt Verkauf an den Vorstandschef Günther Thiel.

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Axel-Springer-Verlag stellt seit Freitag seiner Post-Tochter kein Geld mehr zur Verfügung. Grund für diese Entscheidung sei, dass der Bundestag am Freitag dem von der Koalition vereinbarten Mindestlohn für Postbeschäftigte zugestimmt habe, teilte das Unternehmen mit. Von Januar an sollen für Briefdienstleister bundesweit Mindestlöhne von 8,00 bis 9,80 Euro gelten. Pin hatte nach Springer-Angaben zuletzt im Schnitt 7,40 Euro pro Stunde gezahlt.

Eine letzte Möglichkeit, eine Insolvenz von Pin doch noch zu verhindern, bietet jedoch das Management an: Pin-Vorstandschef Günther Thiel will dem Mehrheitsgesellschafter Springer (63,7 Prozent) dessen Anteile abkaufen und einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Pin-Gruppe investieren. Wie das Pin-Management in Luxemburg mitteilte, sollten bereits am Freitag entsprechende Verhandlungen mit Springer beginnen. Der Berliner Medienkonzern hatte zuvor seine Bereitschaft signalisiert, „die Mehrheit an der Pin-Group abzugeben, wenn Minderheitsgesellschafter und neue Investoren ausreichend Mittel zur Verfügung stellen, um eine wirtschaftliche Perspektive für die Pin Group in neuer Positionierung zu ermöglichen“.

Ob sich Pin-Chef Thiel und Springer einigen können, ist allerdings noch völlig offen. Mitte dieser Woche hatte Thiel in einem Interview gesagt, er sei bereit, die Pin-Mehrheit von Springer nur „zu einem symbolischen Preis“ zu übernehmen. Man sei nicht in der Lage, dafür Millionen zu zahlen. Berichte über eine Beteiligung der Sparkassen an einem Management-Buy-out wurden dementiert.

„Focus Online“ berichtete am Freitag, Thiel wolle rund 60 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen investieren, um das Unternehmen fortführen zu können. Die Springer-Anteile wolle er für einen symbolischen Euro kaufen. Darauf habe er sich mit Springer-Chef Mathias Döpfner bereits verständigt.

Auch „unter den neuen Gegebenheiten ist der Fortbestand der Pin Group unter sehr schwierigen Bedingungen möglich“, erklärte Thiel am Freitag. Pin-Management und Gesellschafter seien nach wie vor von Geschäftsmodell und Erfolg des Unternehmens überzeugt.

Für Springer geht es vorrangig darum, den Schaden möglichst gering zu halten. In den vergangenen zwei Jahren habe der Verlag insgesamt rund 620 Millionen Euro in die Pin Group investiert, teilte Springer mit. Erst im Sommer hatte das Unternehmen die Pin-Mehrheit für 510 Millionen Euro übernommen, im zweiten Halbjahr kamen 60 Millionen für den Ausbau des Geschäfts hinzu, zuletzt stellte Springer Mittel zur Verfügung, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Pin wird 2007 einen Verlust von mehr als 55 Millionen Euro einfahren, das Unternehmen hat bereits die Streichung von fast 900 Arbeitsplätzen angekündigt.

Die Verantwortung für die Schieflage des Unternehmens sieht Springer nicht beim Management und den Eigentümern. Durch den Mindestlohn werde der Wettbewerb auf dem Postmarkt „nicht nur massiv behindert, sondern praktisch unmöglich“, kritisierte das Verlagshaus. Für Springer-Chef Döpfner ist der Rückzug aus dem Postgeschäft eine empfindliche Niederlage. Geplant war, das Geschäft zu einer weiteren Säule des Medienkonzerns auszubauen.

Auch im Fernsehgeschäft läuft es nicht so, wie Döpfner geplant hatte. Den bereits vereinbarten Einstieg bei dem polnischen Fernsehunternehmen Telewizja Polsat gibt Springer auf. Hierauf hätten sich die beiden Unternehmen verständigt, erklärte Springer am Freitag. Grund sei die Entscheidung des polnischen Kartellamts von April 2007, das den Einstieg von Springer aus formellen Gründen abgelehnt hatte. Springer und Polsat hätten sich daraufhin nicht auf eine für beide Seiten überzeugende Lösung einigen können. Der Kaufpreis für die Beteiligung von 25,1 Prozent hätte bei 250 Millionen Euro gelegen.

Am Dienstag dieser Woche hatte Springer bereits den Verkauf seines zwölfprozentigen Anteils am Fernsehkonzern Pro Sieben Sat1 verkündet. Den Erlös von 450 Millionen Euro wird Springer erst im kommenden Jahr verbuchen.

An der Börse fiel der Medienkonzern am Freitag durch: Axel-Springer-Aktien verloren 3,7 Prozent.

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