• Private Rentenpolicen werden teurer Lebensversicherer müssen ihre Kalkulation an die steigende Lebenserwartung anpassen

Wirtschaft : Private Rentenpolicen werden teurer Lebensversicherer müssen ihre Kalkulation an die steigende Lebenserwartung anpassen

Caspar Dohmen,Rita Lansch

Düsseldorf - Die steigende Lebenserwartung macht die private Altersvorsorge immer teurer. Wer ab dem kommenden Jahr eine private Rentenversicherung abschließt, muss mit Preiserhöhungen von bis zu zehn Prozent rechnen. Wie Branchenexperten dem Handelsblatt sagten, dürften gleichzeitig für Altkunden die zu erwartenden oder bereits laufenden Renten gekürzt werden. Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes Map-Report: „Die Gefahr, dass ein Unternehmen die versprochenen Rentenzahlungen nicht mehr bedienen kann, ist nicht auszuschließen.“ Die Preiserhöhungen und die Leistungskürzungen werden erforderlich, weil die Anbieter ihre Kalkulationen an die neuen Sterbetafeln anpassen müssen. Darin berechnen die Versicherungsmathematiker (Aktuare) pro Jahrgang die statistische Lebenserwartung. Die neuen Sterbetafeln sollen am kommenden Mittwoch vorgelegt werden.

Der Marktführer Allianz Leben spricht bereits von „spürbaren Preiserhöhungen“. Die Beitragserhöhungen bei den Gesellschaften dürften recht unterschiedlich ausfallen. Zwar wenden alle die gleiche Sterbetafel an, doch haben nicht alle die gleichen Kunden. Einige Anbieter wie die Hamburg-Mannheimer oder die Victoria kalkulieren bereits heute vorsichtiger. Beispielsweise hat die Hamburg-Mannheimer einen Puffer in ihre Bilanz eingebaut, indem sie ihre Kunden einfach kalkulatorisch zwei Jahre jünger macht. Beim Übergang auf die kommende Sterbetafel dürften daher die Preisanpassungen „bei unseren Tarifen vermutlich deutlich geringer ausfallen als bei anderen Gesellschaften“, heißt es bei der Victoria. Auch die Allianz hat schon Polster geschaffen. Branchenbeobachtern zufolge hängt das damit zusammen, dass die Allianz das „vorgezogen hat, weil sie es sich im letzten Jahr leisten konnten, Geld dafür beiseite zu legen".

Bis die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) die neuen Sterbetafeln am Mittwoch in Köln präsentiert, wird hinter den Kulissen noch daran gefeilt. Strittig ist beispielsweise, wie viele Jahre die Wirtschaftsprüfer den Unternehmen für die Anpassung Zeit lassen. Am Montag tagt dazu der Fachausschuss Versicherungen des Instituts der Wirtschaftsprüfer.

Zwei Jahre brauchten die Mathematiker, um pro Jahrgang die verbleibende Lebenserwartung von Männern und Frauen zu prognostizieren. Hier gibt es laut dem Rostocker Demographieprofessor Reiner Dinkel zwei Haupttrends: Die Lebenserwartung steigt deutlich schneller als angenommen. Und: „Vor allem geht die allgemeine Sterblichkeit in hohen Altersstufen drastisch zurück“, sagte Dinkel. Die letzte Überarbeitung der Sterbetafeln fand 1994 statt, allerdings wurde ein Puffer einkalkuliert. Diese Reserve ist nun weitgehend aufgebraucht.

„Die Sicherheitsmarge muss wieder aufgefüllt werden“, fordert denn auch Thomas Steffen, erster Direktor der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Aufsicht sorgt sich vor allem mit Blick auf das wachsende Rentengeschäft darum, dass die Versicherer diese Risiken bei der Werbung neuer Kunden unter den Tisch kehren.

Die Anpassung der Sterbetafel kommt für die Branche zu einer ungünstigen Zeit. Schließlich wird voraussichtlich das Steuerprivileg für die Kapital-Lebensversicherung nach Jahrzehnten abgeschafft. Von 2005 an werden Erträge neuer Policen dann zur Hälfte besteuert. Bislang sind diese steuerfrei. Als Alternative wirbt die Assekuranz daher mit Rentenversicherungspolicen. Doch die werden jetzt deutlich unattraktiver. Allerdings gebe es keine Alternative zu diesen Produkten, so die Branchenmeinung, weil außer dem Staat nur die Versicherer bis zum Lebensende zahlen. Gefährlich werde es erst, wenn sich die Rentenzahlungen nicht mehr von ganz normalen Banksparplänen unterscheiden. „Dann verliert das Produkt an Attraktivität“, sagt ein Branchenvertreter. HB

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