Wirtschaft : Privater Verbrauch stützt Konjunktur

BONN (sm/HB).Die deutsche Industrie blickt verhalten optimistisch in das Jahr 1999.Das Fundament des Aufschwungs habe sich verbreitert, die konjunkturelle Aufwärtsbewegung setze sich fort, erklärte Franz Schoser, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) bei der Vorlage der traditionellen Herbstumfrage seiner Organisation bei mehr als 25 000 Unternehmen in Deutschland.Die Industrie rechne für das kommende Jahr mit einem Wachstum von 2,5 nach 3 Prozent in diesem Jahr, sagte Schoser.Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten vor zwei Wochen in ihrem Herbstgutachten für 1999 eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes von 2,3 nach 2,7 Prozent im laufenden Jahr vorausgesagt.

In kommenden Jahr würden sich die Antriebskräfte für die Konjunktur verändern, erläuterte Schoser.Der Anstoß durch die Exporte lasse nach, der private Verbrauch gewinne allmählich an Zugkraft, die Investitionsimpulse blieben erhalten.Positiv für den privaten Verbrauch seien eine zunehmende Beschäftigung, steigende Realeinkommen, eine niedrige Inflationsrate und niedrige Zinsen.

Die neue Bundesregierung findet nach Einschätzung des DIHT "gute Startbedingungen für die konjunkturelle Entwicklung vor".Viel hänge jetzt davon ab, wie sie mit diesen Bedingungen umgehe, erklärte der DIHT-Hauptgeschäftsführer.Die aus den Koalitionsvereinbarungen ersichtliche Weichenstellung in der Wirtschafts- und Finanzpolitik habe Zweifel geweckt.

Die Umfrage wurde nach Angaben Schosers im Vorfeld der Bundestagswahlen durchgeführt.Bei Nachfragen kurz nach der Wahl habe die überwiegende Mehrheit der Unternehmen keine Veranlassung gesehen, kurzfristig ihre Geschäftserwartungen zu revidieren.Die Unternehmen wollten zuerst die konkreten Maßnahmen der neuen Bundesregierung abwarten.Sie machten sich aber große Sorgen, ob sie nicht 1999 deutlich stärker belastet würden als 1998."Hier liegt ein großes Risiko für die jetzt noch positiven Erwartungen der Unternehmen", sagte Schoser.

In der Umfrage zeigten die Unternehmen hinsichtlich ihrer Geschäftserwartungen für 1999 eine verhaltene Zuversicht.30 Prozent der Unternehmen rechneten mit besseren, 17 Prozent mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung.Dabei fielen die Erwartungen bei den ostdeutschen Unternehmen deutlich schlechter aus als im Westen.Die Exporterwartungen der Unternehmen blieben insgesamt positiv.Dennoch werde der Exportanstieg 1999 voraussichtlich deutlich geringer ausfallen als in den beiden vorangegangenen Jahren.Rückschläge im Exportgeschäft befürchteten die Unternehmen wegen der Ungewißheit über die Dauer und das Ausmaß der Asien- und der Rußlandkrise.Die Auswirkungen würden aber dadurch begrenzt, daß die Krisenländer insgesamt nur sieben Prozent der deutschen Exporte aufnähmen.Die Unternehmen planen nach der Umfrage steigende Investitionsausgaben.Hauptmotiv sei dabei nach wie vor die Rationalisierung.Die Kapazitätserweiterung verharre als Investitionsmotiv auf Vorjahresniveau, sagte Schoser.

Das für 1999 erwartete Wachstum schlage sich etwas positiver als noch im laufenden Jahr in den Beschäftigungsplänen der Unternehmen nieder.Die Beschäftigungssituation entwickele sich in Westdeutschland positiver als in Ostdeutschland.Dort bestehe für das kommende Jahr lediglich die Hoffnung auf ein Ende des Beschäftigungsabbaus.Die mehrjährige Lohnzurückhaltung, die Entlastung bei den Lohnzusatzkosten sowie die Erleichterungen bei befristeten Arbeitsverhältnissen und beim Kündigungsschutz zeigten jetzt Wirkung.

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