Privatisierung : Bahn will Billig-Töchter

Die Vorwürfe gegen Ex-Gewerkschaftschef Hansen werden lauter - auch von der SPD heißt es: Falls er von den Plänen zur Auslagerung gewusst habe, dürfe der ehemalige Transnet-Boss seinen neuen Posten im Bahnvorstand nicht antreten.

BerlinDie Deutsche Bahn will einem Zeitungsbericht zufolge nach der Teilprivatisierung rund 9000 Beschäftigte in bis zu 30 Tochtergesellschaften ausgliedern. Einen entsprechenden Beschluss habe der Vorstand des Konzerns im Februar zugestimmt, berichtet "Bild am Sonntag". Vorbild für die Ausgründungen sei der Regionalableger "DB Heidekraut GmbH", berichtete das Blatt unter Berufung auf interne Unterlagen der Bahn. Mit DB Heidekraut habe der Konzern private Konkurrenten unterboten und die Ausschreibung für den Regionalexpress Aachen-Siegen gewonnen. Die Heidekrautbahn fällt nicht unter die Tarifverträge der Bahn, den die dort vertretenden Gewerkschaften auch in Konkurrenz untereinander ausgehandelt haben.

Wegen dieser Pläne bei der Bahn gibt es massive Kritik am Ex-Chef der größten Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, der auf seinem neuen Posten als Bahn-Arbeitsdirektor für die Auslagerungen verantwortlich sei. "Die Glaubwürdigkeit der gesamten Bahnreform steht auf dem Spiel. Falls Hansen Bescheid wusste, kann er sein neues Amt nicht antreten.", sagte der SPD-Abgeordnete Hermann Scheer dem Blatt. Auch die Lokführergewerkschaft GDL kritisierte Hansen. GDL-Chef Claus Weselsky griff ihn scharf an: "Wer als Arbeitnehmervertreter das Feld bestellt, um als Arbeitgebervertreter die Ernte einzufahren, der verdient nicht das Vertrauen seiner Mitglieder."

Hansen war am Donnerstag von der Spitze der rund 240.000 Mitglieder starken Transnet zurückgetreten, um einen Posten als Arbeitsdirektor bei der Deutschen Bahn AG anzunehmen. Vorwürfe, er habe aus Eigennutz gehandelt und sei wegen dieser Karriere in den vergangenen Jahren mit seiner ganzen Organisation stets für eine Teilprivatisierung der Bahn eingetreten, hatte Hansen als "aberwitzig" zurückgewiesen.

Der bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für den Schienenverkehr zuständige Referatsleiter Stefan Heimlich sagte, es sei eine "Schweinerei", wenn ein öffentliches Unternehmen Wettbewerb ausschließlich über die Lohnkosten austragen wolle. Der Bahn warf er vor, einen Weg des Lohndumpings beschreiten zu wollen. Hansen kündigte in der "Bild am Sonntag" an: "Es wird unter meiner Verantwortung keine Tarifflucht geben." Im gültigen Tarifvertrag sei vereinbart, "dass die DB AG kein Outsourcing mit dem Ziel der Tarifflucht betreiben darf".

Mit seinem Wechsel in den Bahnvorstand habe Ex-Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen die Katze aus dem Sack gelassen, hieß es von der Linken. "Für Transnet gibt es eine große Chance: Entlastet von Hansens persönlichen Interessen kann sie nun ihre auch unter den Gewerkschaftsmitgliedern umstrittene Zustimmung zur Bahnprivatisierung revidieren", sagte Jürgen Klute vom Linksparteivorstand. Angesichts der negativen Erfahrungen mit Bahnprivatisierungen in Großbritannien, wäre es sehr zu begrüßen, wenn Transnet sich gegen die Auslieferung der Bahn an private Profitinteressen aufraffen würde. (hah/ AP/ reuters)

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