Wirtschaft : Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe beginnt

BERLIN (dw).Die Phase der Marktsondierung für die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe steht vor dem Abschluß.Interessenten für das größte kommunale Wasserunternehmen Deutschlands müssen bis zum Freitag ihre unverbindlichen Angebote eingereicht haben.Wie viele es sind und wer die 49,9 Prozent vom Land Berlin erwerben will, wird die Finanzverwaltung aber nicht mitteilen, sagte der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Dirk Wildt, am Donnerstag.Die Privatisierung soll nach dem Willen des Senats bis März abgeschlossen sein.

Nach bisher bekanntgewordenen Informationen haben Thyssen und der französische Multi Suez Lyonnaise des Eaux Interesse signalisiert, ebenso der französische Mischkonzern Vivendi (ehemals General des Eaux) zusammen mit der RWE Umwelt AG sowie PreussenWasser (früher Gelsenwasser).Der Berliner Energiekonzern Bewag bietet zunächst allein.Außerdem seien die britischen Wasserwerke Severn Trent und Thames Water im Gespräch.Ob der US-Energiekonzern Enron aktiv werde, sei offen.

In einem zweiten Schritt werden aus den ersten Bewerbungen die für Berlin interessanten Angebote ausgewählt.Diese Unternehmen erhalten dann Zugang zu vertraulichen Unterlagen der Wasserbetriebe, um verbindliche Angebote unterbreiten zu können.Zu einem späteren Zeitpunkt wird schließlich entschieden, mit wem verhandelt werden soll.

Die Wasserbetriebe hatten zu Jahresende 6240 Mitarbeiter und erzielten 1998 einen Umsatz von knapp zwei Mrd.DM.Der Verkauf ist nach Bewag und Gasag das dritte große Privatisierungsvorhaben von Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD).Der Senat hofft zwei Mrd.DM zu erlösen.

Nach dem in monatelangen Verhandlungen in der Großen Koalition ausgehandelten Modell werden die bisher als Anstalt des öffentlichen Rechts organisisierten Wasserbetriebe in eine Holding umgewandelt.Unter ihrem Dach bleibt die Anstalt öffentlichten Rechts für das lukrative Kerngeschäft Wasser und Abwasser erhalten.Die übrigen Geschäftsfelder und das Auslandsgeschäft werden unter der Holding in einer Wettbewerbsgesellschaft geführt.

Von der Holding sollen 49,9 Prozent ausgeschrieben werden.Maximal 25,1 Prozent sollen an einen einzelnen Investor gehen.Zehn Prozent sind für Belegschafts- und Kundenaktien vorgesehen.Die Wassergebühren sollen durch die Privatisierung nicht steigen und die Wasserbetriebe auch nicht zur verlängerten Werkbank eines Branchenriesen werden.Vom Erlös werden zehn Prozent für Berliner Zukunftsprojekte reserviert.Betriebsbedingte Kündigungen sollen ausgeschlossen sein.

Der Teilverkauf der Berliner Wasserbetriebe gilt als zur Zeit weltgrößter Privatisierungsfall der Branche.Der zu erzielende Kaufpreis für den Senat ist allerdings auch deshalb noch mit Unsicherheiten behaftet, weil die Tarifstruktur der Wasserbetriebe nach Klagen des Haus- und Grundbesitzerverbandes noch auf dem gerichtlichen Prüfstand steht.

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