Pro Atomkraft : Energieexperten sehen Versorgungsrisiko

Deutscher Weltenergierat plädiert für längere AKW-Laufzeiten, um Abhängigkeit vom Import zu reduzieren. Allerdings ist die Einrichtung eng mit der deutschen Industrie verbandelt.

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Ein Großteil des hierzulande verbrauchten Erdgases stammt aus Russland.
Ein Großteil des hierzulande verbrauchten Erdgases stammt aus Russland.Foto: dpa

Berlin - Wie sicher ist unsere Energieversorgung? Kommt in 20 Jahren der Strom auch noch zu jeder Tages- und Nachtzeit aus der Steckdose? Und werden die Wohnungen bei den dann sehr kalten und sehr langen Wintern warm genug? Vermutlich nicht, wenn es kaum noch Energie aus Atom- und Kohlekraftwerken gibt. Das meint jedenfalls der deutsche Weltenergierat. Diese nationale Einrichtung, die sich zusammensetzt aus Vertretern der Energiewirtschaft, von Verbänden und aus der Wissenschaft, ist Mitglied im 1923 gegründeten World Energy Council. Das wiederum ist eine Institution, in der mehr als 90 Mitglieder globale Fragen der Energiewirtschaft diskutieren. Etwa Versorgungssicherheit.

Unser Versorgungsrisiko, so hat eine Studie ergeben, die der deutsche Weltenergierat am Dienstag in Berlin vorstellte, ist in den vergangenen 20 Jahren um 18 Prozent gestiegen. Das hat mehrere Gründe. Vor allem sind es die Importe. Vor 20 Jahren stammten nur 13 Prozent der hierzulande verbrauchten Primärenergien aus dem Ausland, 2007 waren es schon 74 Prozent. Der Anteil des russischen Erdgases ist gestiegen, und Russland nimmt auf der Risikoskala der OECD Platz drei ein. Norwegen, ebenfalls ein großer Energielieferant für uns, wird als risikofrei eingeschätzt und bekommt eine Null. Auf Platz sechs landen etwa Iran, Nigeria und Libyen.

Ein anderer Faktor für das gestiegene Versorgungsrisiko sind die erneuerbaren Energien, deren Ertrag schlecht planbar ist, weil er vom Wind oder der Sonne abhängt. „Ein forcierter Ausbau erneuerbarer Energiequellen allein“, könne bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Atom- und der Kohlekraft „nicht verhindern, dass sich der Energiemix weiter zugunsten von importierten fossilen Energieträgern verschiebt“.

Schließlich hat das Institut berechnet. „dass die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke auf 60 Jahre den mit Abstand größten Hebel zur Abfederung des in Zukunft steigenden Verletzungsrisikos liefert“. Schließlich wollen die Forscher auch noch einen Arbeitsplatzeffekt von längeren Laufzeiten ermittelt haben. Und zwar würden bis 2030 aufgrund eines um 0,3 Prozent stärker gestiegen Bruttoinlandsprodukts „bis zu 62 000“ Arbeitsplätze geschaffen.

Passend zum aktuellen Streit über die Zukunft der Atomkraft schlussfolgert nun der deutsche Weltenergierat, „der Wirtschaftsstandort Deutschland kann sich eine Diskussion wie derzeit über die Verlängerung der Laufzeit für Kernenergie und den Bau neuer Strom-Übertragungsnetze nicht leisten“. Die Deutschen sollten sich vielmehr andere zum Vorbild nehmen, denn außer Deutschland hätten sich „alle Kernenergiestaaten für eine weitere Nutzung und Leistungserhöhung der Kernkraftwerke entschieden“, schreibt der deutsche Weltenergierat, der eng mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie verbandelt ist.

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