Wirtschaft : „Pro Kind ein Jahr früher in Rente“

Foto: privat
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Ich bin Lehrerin, und die Arbeitszeiten in diesem Beruf sind sehr kinderfreundlich. Nachmittags war ich so meist zu Hause, Korrekturen und Vorbereitung konnte ich erledigen, wenn meine Kinder im Bett waren. Mein erstes Kind bekam ich 1989, in der DDR. Dort gab es genügend Krippenplätze, so dass ich weiter Vollzeit arbeiten konnte. Außerdem gab es für Mütter einmal im Monat einen freien Tag extra, den Haushaltstag. Beim zweiten Kind, das 1995 zur Welt kam, war es schwieriger, einen Krippenplatz zu bekommen, die Wartezeit musste ich mithilfe einer Tagesmutter und Verwandten überbrücken. Neben flexiblen Arbeitszeiten ist es aus meiner Erfahrung deshalb das Wichtigste, dass der Staat für ausreichend Betreuungsplätze und Ganztagsschulen sorgt. Auch der zusätzliche freie Tag, den es im Osten gab, hätte mir sicher geholfen – etwa bei Arztterminen und Einkäufen. Wegen der Doppelbelastung als berufstätige Mutter fände ich es gerecht, wenn Frauen pro Kind ein Jahr früher in Rente gehen könnten. Dadurch, dass ich immer Vollzeit gearbeitet habe, war es oft stressig. Im Rückblick hätte ich gerne etwas mehr Zeit für mich und die Kinder gehabt.

Karina Schurtz (48) ist Lehrerin an einer Förderschule in Berlin. Sie hat drei Töchter (14, 16 und 23).

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