Wirtschaft : Pro-Sieben-Aktionäre werden ausgelost

Nur jeder Zehnte bekommt Teilquote seiner Order / Maximalpreis von 72 DM nach 50facher Überzeichnung / Heute erste Notierung

MÜNCHEN (dpa).Die Pro Sieben-Vorzugsaktien kosten den Maximalpreis von 72 DM und werden wegen der ungewöhnlich hohen Nachfrage ausgelost und zugeteilt.Das Interesse an der ersten deutschen Fernsehaktie sei um das 50fache höher gewesen als das Angebot, teilte die Pro Sieben Media AG, wie berichtet, am Sonnabend abend mit.Insgesamt werden 17,5 Mill.Stück stimmrechtslose Vorzugsaktien im Nennwert von jeweils fünf DM ausgegeben.Die Gesamtnachfrage betrug jedoch rund 61 Mrd.DM.Über eine Million Privatpersonen hätten Kaufaufträge unterzeichnet.Pro Sieben-Chef Georg Kofler bedauerte, daß nicht alle Kaufaufträge erfüllt werden können. An diesem Montag wird die Aktie erstmals an der Frankfurter Börse notiert.Nachdem sich schon vor der ersten Börsennotierung im sogenannten grauen Markt Kurse von über 100 DM pro Aktie herausgebildet hatten, erwarten Bankanalysten einen deutlichen Kursanstieg der Aktie.Beim Börsengang von Pro Sieben kommen insgesamt 1,26 Mrd.DM in die Kassen, wovon rund eine Mrd.DM an den Mehrheitsaktionär Thomas Kirch fließt.Der Sohn des Medienunternehmers Leo Kirch beteiligt sich aber auch an einer Erhöhung des Grundkapitals durch Stammaktien.Das Pro Sieben-Eigenkapital steigt um 360 Mill.DM oder um 2,5 Mill.Stück Vorzugsaktien und 2,5 Mill.Stück Stammaktien.Thomas Kirch hält künftig 60 Prozent der noch nicht börsennotierten Stammaktien des TV-Konzerns, die Handelsgruppe Rewe 40 Prozent. Durch die starke Überzeichnung der Aktie muß die Zuteilung nach Angaben von Pro Sieben ausgelost werden."Unabhängig von der Zeichnungsmenge kann nur jede zehnte Order zugeteilt werden", teilte der Konzern mit.52,5 Prozent der gesamten Emission werde an deutsche Privatanleger verteilt.Ein Drittel aller Bestellungen kam aus dem Ausland.Alle Kaufaufträge von Privatanlegern werden in Größenklassen umgerechnet und rationiert.Wer bis zu 99 Aktien geordert hatte, bekommt 40 Stück.Wer 100 bis 299 Aktien kaufen wollte 70 Stück.Bei Aufträgen bis 499 Stück beträgt die Zuteilung 100 Stück, bei Orders bis 999 Aktien sind es 150 Stück, bei Aufträgen bis 1999 Aktien erhalten die Anleger 250 Stück.Ab einem Ordervolumen von 2000 Stück werden 360 Aktien zugeteilt.Bei den institutionellen Anlegern erfolgt eine regionale Verteilung: 40 Prozent entfallen auf Deutschland und die Schweiz, 30 Prozent auf die USA sowie 30 Prozent auf Europa und die restliche Welt. In der zehntägigen Zeichnungsfrist, die am 3.Juli endete, wurden die stimmrechtslosen Aktien in einer Preisspanne von 66 bis 72 DM angeboten.Mit dem dabei registrierten hohen Nachfragevolumen sei die Pro Sieben Media AG "eine der erfolgreichsten Neuemissionen in der deutschen Börsengeschichte", sagte der Vorstandsvorsitzende Kofler am Sonnabend abend.In Abstimmung mit den drei Führungsbanken (BHF-Bank, Hypo-Bank, Salomon Brothers) des Börsenkonsortiums habe sich der TV-Konzern mit den Sendern Pro Sieben und Kabel 1 auf den Höchstpreis von 72 DM geeinigt.Pro Sieben wies zuletzt 1,69 Mrd.DM Umsatz (1996) und 169 Mill.DM Jahresüberschuß aus und zählt 1170 Beschäftigte.

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