Wirtschaft : Pro Sieben mit Angebot von Springer unzufrieden TV-Sender rät freien Aktionären nicht zur Annahme

Nicole Huss

München - Vorstand und Aufsichtsrat der Fernsehkette ProSiebenSat1 haben das Übernahmeangebot des Axel-Springer-Konzerns als zu niedrig kritisiert. Eine Empfehlung an die freien Aktionäre, das Angebot für die Vorzugsaktien des Unternehmens anzunehmen, lehnten sie ab. Nach Angaben von Springer ist die geplante Übernahme der Senderkette dadurch jedoch nicht gefährdet.

Der Angebotspreis von 14,11 Euro je Vorzugsaktie entspreche nicht dem vollen Wert der Aktie, teilte Pro SiebenSat1 am Freitag mit. „Eine Empfehlung an die Aktionäre, das Angebot anzunehmen, wird von Vorstand und Aufsichtsrat nicht abgegeben“, hieß es. ProSieben Sat1 wies jedoch darauf hin, dass das Angebot von Springer die gesetzlichen Vorgaben erfülle. Der Betrag von 14,11 Euro pro Vorzugsaktie entspreche dem durchschnittlichen Börsenkurs der Aktie während der drei Monate vor dem Übernahmeangebot.

Tatsächlich notiert die Pro-Sieben-Aktie jedoch seit einiger Zeit leicht über diesem Kurs, so dass die Aktionäre einen schlechten Tausch machen würden, wenn sie das Angebot annähmen. Die Umtauschfrist endet am 14. Oktober und soll dann noch um zwei Wochen verlängert werden.

Springer hatte Anfang August mit der Investorengruppe um US-Milliardär Haim Saban die Übernahme von ProSiebenSat1 besiegelt. Der Berliner Verlag will für rund 2,5 Milliarden Euro die stimmberechtigten Stammaktien der Investoren kaufen. Zudem besitzt Springer als langjähriger Aktionär bereits zwölf Prozent der Vorzugsaktien. Laut Gesetz muss Springer aber auch den freien Aktionären ein Angebot unterbreiten, die 37 Prozent des Grundkapitals halten.

Dass Vorstand und Aufsichtsrat von Pro Sieben keine klare Empfehlung zum Aktientausch geben, kommt Springer sehr entgegen. „Das ist keine Schelte gegen Springer“, erklärte Analyst Peter Thilo Hasler von der HypoVereinsbank. Denn für das Zustandekommen der Übernahme sei Springer nicht auf den Tausch der Vorzugsaktien angewiesen. An einem Umtausch durch die freien Aktionäre sei Springer gar nicht interessiert, weil das den Konzern zusätzliches Geld kosten würde, erklärte Hasler. Insgesamt wird die Übernahme den Konzern mehr als vier Milliarden Euro kosten.

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