Wirtschaft : Pro Sieben Sat 1 für Kirch keine Entlastung

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Die Pro Sieben Sat 1 Media AG sieht sich nach der abgesagten Fusion mit Kirch-Media nicht unter Zeitdruck. Vorstandschef Urs Rohner sagte am Dienstag, die Verschmelzung mit der Rechtehandelssparte der Kirch-Gruppe stehe erst dann wieder auf der Tagesordnung, wenn Kirch seine Probleme gelöst habe. Rohner zeigte sich zuversichtlich, dass dies gelingen werde. Beide Gesellschaften hielten an der Fusion als "strategisch wichtiger Lösung für die Zukunft" fest. Die Sender-Familie, die 40 Prozent ihres Programms bei der Kirch-Gruppe einkauft, musste im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch hinnehmen, blieb aber profitabel. Die Aktie legte am Dienstag um 6,3 Prozent auf 8,40 Euro zu.

Am vergangenen Freitag hatte das im M-Dax notierte Unternehmen mitgeteilt, die Fusion mit Kirch-Media werde auf unbestimmte Zeit verschoben. Zuvor müsse die hoch verschuldete Kirch-Gruppe vier Aufgaben bewältigen: eine stabile Eigentümerstruktur und Finanzierung des defizitären Bezahl-Senders Premiere schaffen, die 40-Prozent-Beteiligung am Axel-Springer-Verlag sowie 25 Prozent am spanischen Sender Telecinco verkaufen und eine "zufriedenstellende Lösung" für die Formel 1 finden, an der Kirch mehrheitlich beteiligt ist. "Das entstehende Gebilde muss für alle beteiligten Aktionäre mehr sein als die beiden Einzelteile", sagte Rohner am Dienstag zum Fusionsplan. Ob es dazu noch im laufenden Jahr kommen werde, ließ er indes offen.

Den Jahresabschluss der Pro Sieben Sat 1 Media AG bewertete der Vorstandschef, der seine Prognosen zuletzt mehrfach nach unten korrigiert hatte, als deutlich besser als erwartet. Trotzdem kann die mit 6,5 Milliarden Euro verschuldete Kirch-Gruppe, die mehrheitlich an Pro Sieben Sat 1 beteiligt ist, nicht mit dem Ergebnis zufrieden sein. Der Gewinn vor Steuern um fast die Hälfte von 205 Millionen auf 106 Millionen Euro ein. Im November hatte Pro Sieben Sat 1 sogar einen Rückgang auf 90 Millionen Euro angekündigt. Der Umsatz gab um 6,5 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro nach. Während der Sender Pro Sieben vor Steuern Gewinne machte (262 Millionen Euro), blieb Sat 1 tief in den roten Zahlen (minus 77 Millionen Euro). Im Vorjahr hatte der Sender einen Gewinn von 34 Millionen Euro zum Konzernergebnis beigesteuert. Rohner rechnet erst ab 2003 wieder mit schwarzen Zahlen. Auch der Sat 1-Umsatz brach um 13 Prozent auf 831 Millionen Euro ein. Pro Sieben konnte hingegen die Erlöse bei 860 Millionen Euro stabil halten.

Branchenexperten sehen im hohen Marktanteil der werbefinanzierten Sender der Kirch-Gruppe ein zentrales Problem für den Bezahlkanal Premiere. Kirch mache sich mit dem frei empfangbaren Programm selbst Konkurrenz im Abo-Fernsehen, das nur 2,4 Millionen zahlende Nutzer hat.

Die Frage, ob Pro Sieben Sat 1 am Ende des Konzernumbaus der Kirch-Gruppe einen neuen Mehrheitseigentümer hat, wollte Rohner nicht beantworten. Darüber wird spekuliert, weil Leo Kirch gezwungen ist, neue Groaßaktionäre in den Konzern zu holen. Vor allem für das defizitäre Pay-TV Premiere wird ein Investor gesucht. Der Bezahlsender, der nach Analystenberechnungen täglich 1,5 Millionen Euro Verlust macht, operiert unter dem Dach von Kirch-Pay-TV und nicht unter dem der profitablen Kirch-Media, die neben Pro Sieben Sat 1 auch den lukrativen Film- und Sportrechtehandel sowie die Filmproduktion bündelt.

Am Dienstag trafen sich Branchenkreisen zufolge Gesellschafter von Premiere in der Münchener Kirch-Zentrale, um über die Zukunft des Senders zu sprechen. Anwesend waren auch Vertreter des Medienunternehmers Rupert Murdoch, der noch 22 Prozent an Premiere hält. Murdoch hatte angedroht, diesen Anteil im Oktober für mehr als 1,7 Milliarden Euro an Kirch zurück zu verkaufen. Beobachter werteten dies aber als strategisches Manöver: Murdoch sei im Gegenteil an einer Mehrheit bei Premiere, vor allem aber an einem größeren Teil der Kirch-Gruppe interessiert.

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