Wirtschaft : Pro Sieben Sat 1 ist wieder zu haben

Springer-Chef Döpfner vermisst Fairness in der Diskussion um die Übernahme / Jetzt könnten Ausländer zum Zug kommen

Ulrike Simon

Berlin – Die „Vielfalt der Axel-Springer- Medienwelt“ und die „technischen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation“ wolle man mit dem neuen 50 Meter langen und vier Meter hohen Display zeigen, das am Mittwoch auf dem Dach der Berliner Konzernzentrale in Betrieb ging. Mehr Vielfalt auch in digitalen Medien wird Vorstandschef Mathias Döpfner indes auf neuen Wegen suchen müssen. Denn der Kauf des größten deutschen Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 durch den größten deutschen Zeitungsverlag ist geplatzt. Am Mittwoch um 9.25 Uhr informierte Döpfner seine Mitarbeiter darüber per E-Mail.

Er habe „auf eine faire und auf Fakten basierende Diskussion mit unseren Kritikern gehofft“, schrieb Döpfner. Die Heftigkeit der Debatte habe aber „erneut gezeigt, dass Axel Springer offenbar in jeder Hinsicht eine Sonderrolle einnimmt.“ Eine halbe Stunde später kommentierte er bei einer bereits länger geplanten Betriebsversammlung in Hamburg seinen Rückzug von den Fernsehplänen: „Es ist bitter, aber ich glaube, es ist richtig.“ Die geplante Übernahme von Pro Sieben Sat 1 für rund drei Milliarden Euro sei eine „sinnvolle und gut verhandelte Transaktion für uns“ gewesen.

Hätte er jedoch daran festgehalten und eine so genannte Ministererlaubnis – eine Sondergenehmigung – beantragt, wären die Risiken zu groß gewesen, hieß es bei Springer. Noch musste der Verlag an die Verkäufer um den US-Medienunternehmer Haim Saban nichts zahlen. Die Vermittlungsgebühr für die Bankkredite, die Anwalts- und Beraterkosten „in niedriger zweistelliger Millionenhöhe“ würden „durch ein Zinssicherungsgeschäft nahezu ausgeglichen“, sagte Unternehmenssprecherin Edda Fels.

Das Verfahren für eine Ministererlaubnis hätte mindestens vier Monate gedauert, und der Ausgang wäre unsicher gewesen: Die Koalition wäre auf eine schwierige Belastungsprobe gestellt worden. Außerdem hätte den Aktionären von Pro Sieben Sat 1 im Juli ein neues Übernahmeangebot unterbreitet werden müssen, das wegen des zu erwartenden Kursanstiegs hätte neu aufgerollt werden müssen. Auch wäre im Fall einer Ministererlaubnis mit Klagen zu rechnen gewesen, deren Dauer und Ausgang nicht überschaubar waren. Den dritten Grund für den Verzicht auf die Übernahme betonte Döpfner am Mittwoch vor den Beschäftigten des Verlags besonders: „Selbst der Anschein ist zu vermeiden, dass Springer-Journalisten ihre Unabhängigkeit verlieren.“

Döpfner hatte sich in der Vergangenheit deutlich gegen das Instrument einer Ministererlaubnis im Medienbereich ausgesprochen. Das war in jener Zeit, als die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, zu der der Tagesspiegel gehört, die „Berliner Zeitung“ übernehmen wollte. Döpfner argumentierte damals, solche Eingriffe verletzten die verfassungsrechtlich garantierte „Neutralitätspflicht des Staates“. Hätte Springer nun selbst von einer Sondergenehmigung profitiert, wäre Döpfners Glaubwürdigkeit beschädigt worden. Zumal die Nähe von Mehrheitsaktionärin Friede Springer zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die die Übernahmepläne bereits im Juni 2005 öffentlich begrüßt hatte, den Verdacht der Kumpanei genährt und ebenfalls einen Imageschaden zur Folge gehabt hätte.

Neue Zukaufspläne verkündete Döpfner vorerst nicht. Pro Sieben Sat 1 wird nun in andere Hände gehen – , wann und an wen verkauft wird, ist unklar. Interessenten sind der skandinavische Konzern SBS, der französische Konzern TF-1, in dessen Aufsichtsrat Haim Saban sitzt, aber auch NBC sowie ausländische Finanzinvestoren. Wer von ihnen bereit ist, den höchsten Kaufpreis zu zahlen, kann mit dem Zuschlag rechnen.

Springer dürfte auf Dauer nicht Aktionär von Pro Sieben Sat 1 bleiben. Die Beteiligung von zwölf Prozent werde man „angesichts der sehr erfreulichen Wertentwicklung vorerst weiter halten“, sagte Konzernsprecherin Fels. Falls es jedoch einen Kaufinteressenten gebe, gelte es zu prüfen, „ob der Preis attraktiv ist“.

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