Wirtschaft : Pro Sieben Sat 1 Media AG: Fusion gemeistert

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Der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG hat das Fusionsjahr 2000 erfolgreich abgeschlossen. Trotz hoher Fusionskosten und Firmenwertabschreibungen stieg der Überschuss um 15 Prozent auf 182 Millionen Mark. "Das erste Geschäftsjahr ist für die Gruppe in jeder Hinsicht erfreulich verlaufen," kommentierte Vorstandschef Urs Rohner in München die vorläufige Bilanz. Dennoch wirkte der Zusammenschluss von Sat 1 mit der früheren Pro Sieben-Gruppe, zu der die Sender Pro Sieben, Kabel 1 und N 24 zählen, zur neuen TV-Familie des Münchner Kirch-Konzerns finanziell auch belastend. Die Fusion hat 2000 einmalig 54 Millionen Mark gekostet. Sie soll früheren Angaben zufolge pro Jahr Einsparungen von rund 200 Millionen Mark ermöglichen. Zudem hat die TV-Gruppe 2000 Beteiligungen im Wert von 47 Millionen Mark bereinigt. Abgeschrieben wurde auch eine knapp 17-prozentige Beteiligung am zunächst bankrotten und jüngst wiederbelebten Internethändler Letsbuyit.com. Das Engagement bei dem Internet-Unternehmen kostete Pro Sieben 15 Millionen Euro. Auch die Beteiligung an dem mit RTL betriebenen und heute eingestellten Regionalfenster in der Schweiz wurde wertberichtigt.

"Damit kann die Pro Sieben Sat 1-Gruppe völlig unbelastet ins Geschäftsjahr 2001 gehen," sagte Rohner, der weitere Umsatz- und Ergebnisverbesserungen versprach. Die Erlöse der Gruppe stiegen im Vorjahr um sieben Prozent auf 4,22 Milliarden Mark. Damit lag die Vorsteuerrendite konzernweit bei 9,5 Prozent. Nachholbedarf hat dabei der umsatzmäßig mit 1,9 Milliarden Mark stärkste Konzernteil Sat 1, dessen Vorsteuerergebnis 2000 zwar um fast die Hälfte auf 74 Millionen Mark stieg. Das bedeutet aber immer noch eine Rendite von nur vier Prozent.

Das Ziel: 15 Prozent Umsatzrendite

"Wir wollen die Umsatzrendite des Senders mittelfristig auf mindestens 15 Prozent erhöhen," versprach Rohner. Damit würde Sat 1 jedoch weiter hinter den 30 Prozent liegen, die Pro Sieben im Vorjahr zum nach eigenen Angaben profitabelsten TV-Unternehmen Deutschlands gemacht haben. Auch dessen Tochter Kabel 1 hat eine Quote von 23 Prozent erreicht. Der im Aufbau stehende Nachrichtensender N24 arbeitete 2000 defizitär und soll 2004 die Gewinnzone erreichen. Rote Zahlen in kleinerem Umfang verbuchten auch die kaum ins Gewicht fallenden Geschäfte mit Multimedia und Dienstleistungen, was an Investitionen für die ebenfalls zur TV-Gruppe zählende Nachrichtenagentur ddp liegt.

Die Nettoschulden konnten 2000 im Konzern um fünf Prozent auf gut eine Milliarde Mark abgebaut werden. Demnächst will die Gruppe nach jüngsten Angaben international ferner eine Festzinsanleihe über maximal 800 Millionen Mark platzieren, um vorrangig Schulden abzubauen. Einen Zusammenhang mit einem etwaigen Finanzbedarf anderer Teile des Kirch-Imperiums gebe es nicht, widersprach ein Sprecher. Der Personalstand der TV-Gruppe, die mit ihren vier Sendern zuletzt bei Zuschauern auf 24,3 Prozent Marktanteil kam, wurde 2000 wegen des Ausbaus von N24 und ddp um gut 250 Stellen auf 3187 Mitarbeiter erhöht.

Die Börse reagierte auf die vorläufigen Geschäftszahlen kaum. Die im M-Dax notierte Aktie verharrte am Dienstag bei knapp 28 Euro. Berichte über einen schwachen Start des Werbegeschäfts im laufenden Jahr hatten die Pro Sieben-Aktie zuletzt unter Druck gesetzt. Vorstandschef Rohner hatte aber am Montag in London Spekulationen über einen Einbruch um 20 Prozent zurückgewiesen. "Es gibt nichts, worüber man besorgt sein müsste. Manche Werbekampagnen wurden verschoben, aber keiner hat das Budget reduziert", fügte er hinzu. Im Januar sei das Werbegeschäft um drei Prozent rückläufig gewesen. Er erwarte ein Wachstum der Werbeeinnahmen 2001 von nahezu zehn Prozent. Rohner sagte weiter, er sehe wenige Anknüpfungspunkte für eine Kooperation mit dem Münchener Filmrechtehändler EM.TV & Merchandising, an dem die Kirch-Gruppe Anteile erwerben will. "Ich sehe wenig Raum für eine Kooperation mit EM.TV, obwohl Merchandising eine Möglichkeit ist", sagte Rohner. "Es ist aber nichts besprochen worden".

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