Wirtschaft : Pro Sieben: TV-Konzern korrigiert seine Prognosen

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Der vor der Verschmelzung mit der Kirch-Gruppe stehende TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 muss seine Prognosen für 2001 nach den Terrorattacken in den USA erneut massiv nach unten revidieren. "Insbesondere Unternehmen aus den USA sowie Werbekunden aus den Bereichen Banken, Versicherungen, Tourismus und Luftfahrt haben ihre Buchungen seit den Anschlägen storniert oder deutlich reduziert," begründete der Vorstandschef der Pro Sieben Sat 1 Media AG, Urs Rohner, die Korrektur. Davon werde sich der heimische Werbemarkt bis Ende des Jahres wohl nicht mehr erholen. Die im M-Dax notierte TV-Gruppe rechnet für 2001 nun deshalb mit einem rund 30-prozentigen Einbruch ihrer Vorsteuergewinne.

Vor Monatsfrist war der zur Kirch-Gruppe zählende Konzern noch von stagnierenden Ergebnissen ausgegangen, nachdem Rohner vor knapp einem halben Jahr sogar eine zehnprozentige Ergebnisverbesserung für dieses Jahr vorausgesagt hatte. Damals hatte der Konzernchef allerdings auch noch mit einem vierprozentigen Wachstum im heimischen TV-Werbemarkt gerechnet, was allgemein als zu optimistisch kritisiert worden war. Nun kalkuliert er mit einem branchenweiten Rückgang von fünf bis sechs Prozent, statt dem vor Monatsfrist noch erwarteten Minus von zwei bis drei Prozent. Für Pro Sieben-Sat 1 bedeute das dieses Jahr voraussichtlich vier Prozent Umsatzrückgang. "Uns fehlen 70 Millionen Euro Erlös," ergänzte ein Konzernsprecher auf Anfrage. Das schlage voll auf das Ergebnis durch. An der Börse geriet das Papier der TV-Gruppe bei allgemein steigenden Kursen nach der erneuten Ergebniskorrektur kräftig unter Druck. Die Aktie verlor zeitweise rund ein Viertel ihres Werts und notierte zuletzt bei nur noch mit 5,07 Euro.

Für 2001 will Rohner angesichts der ungewissen Lage vorerst keine Prognose abgeben. Das sei frühestens nach der Ersteinbuchungsphase für TV-Werbung gegen Ende diesen Jahres möglich. "Der Schock über die furchtbaren Terroristen-Attacken hat die Werbewirtschaft nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland schwer getroffen und das in einer ohnehin schon schwierigen Situation", sagte der TV-Manager. Im eigenen Konzern will er nun die Kosten streng kontrollieren und die eigene Marktposition weiter ausbauen, ohne dafür Details zu nennen. Das schaffe die Voraussetzung dafür, die eigenen Erträge wieder deutlich zu steigern, sobald sich die Marktlage bessere. Die TV-Gruppe mit ihren Sendern Pro 7, Sat 1, Kabel 1 und N 24 reklamiert für sich derzeit einen Anteil von 45,5 Prozent am gesamten TV-Werbemarkt Deutschlands. Im Vorjahr erzielte sie bei 2,16 Milliarden Euro Umsatz 205 Millionen Euro Vorsteuergewinn.

Nach Einschätzung des Geschäftsführers des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), Volker Nickel, kann die negative Prognose von Pro Sieben für den Werbemarkt insgesamt eintreten, sie sei indes nicht sicher. Die Frage sei, wie das Weihnachtsgeschäft laufe. Nickel zufolge hat die Werbewirtschaft in den ersten zehn Tagen nach den US-Anschlägen zwischen 40 und 70 Millionen Mark Verluste gemacht.

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