Wirtschaft : Probleme beim Coupé TT sind eher "emotionaler Natur"

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Die Ingolstädter Audi AG lässt sich von den aktuellen Problemen um ihr Vorzeigemodell Audi TT nicht aus der Bahn werfen. Die bevorstehende Rückrufaktion und die kostenlosen Nachbesserungen an bis zu 40.000 bislang ausgelieferten Sportwagen hätten "keine gravierenden Belastungen" oder eine Ergebnisverschlechterung zur Folge, sagte Audi-Finanzchef Peter Abele vor Journalisten in München. Es handle sich vor allem um ein "emotionales Problem". Eine Kaufzurückhaltung beim TT will die Tochter des Wolfsburger Volkswagen-Konzerns aber nicht ausschließen. Zu Details konnte sich Audi-Chef Franz-Josef Paefgen noch nicht äußern. Die Audi-Techniker seien derzeit dabei, den von Kunden beanstandeten Fahrproblemen auf die Spur zu kommen und bis zum Wochenende eine Lösung zu präsentieren. Nach bisherigen Erkenntnissen seien einige TT-Fahrer bei abrupten Manövern unzufrieden mit dem Fahrverhalten im Hochgeschwindigkeitsbereich oberhalb 200 Stundenkilometern. An den Prognosen für das laufende Jahr hält Paefgen trotz des TT-Problems fest. Audi stehe vor einer neuen Rekordrunde und werde erstmals deutlich über 600 000 Einheiten pro Jahr produzieren. Er sieht keinen Grund für eine Abschwächung der bis Ende September erreichten Wachstumsraten. Bis dahin hatten der Umsatz um gut ein Zehntel auf 21,8 Milliarden Mark und die Auslieferungen um gut acht Prozent auf knapp 483 000 Autos zugelegt. Stimmt Paefgens Einschätzung, steuert Audi 1999 auf rund 30 Milliarden Mark Umsatz und knapp 650 000 verkaufte Autos zu. Schon nach neun Monaten der laufenden Periode wurde der heimische Marktanteil von 6,4 auf 6,8 Prozent gesteigert. Dafür verantwortlich macht Paefgen die anhaltende Modelloffensive der Ingolstädter. Das hat seinen Preis. Binnen vier Jahren werde sein Konzern 14 Milliarden Mark investieren, davon zwei Drittel in neue Produkte. Als Folge davon kann aber 1999 das Gewinnwachstum nicht mit den Umsatzverbesserungen Schritt halten. Abele rechnet mit einem Gewinn vor Steuern etwa auf Vorjahreshöhe von knapp 1,7 Milliarden Mark. "In ein paar Jahren haben wir ein extrem gut geladenes Gewehr und können damit besser schießen als andere," rechtfertigte Paefgen das derzeitige Investitionsniveau. Mitte kommenden Jahres will er mit dem "kleinen" Audi A2 das erste in Großserie gefertigte Auto mit Aluminiumkarosserie und damit einen weiteren Schritt nach vorne präsentieren. Geplant sei ein Absatz von jährlich 60 000 Einheiten. Auch ein neues Cabrio-Modell sei in Vorbereitung, werde aber nicht vor 2001 auf den Markt kommen. Davon profitiert auch die Belegschaft. Binnen eines Jahres habe Audi gut 3600 Stellen geschaffen, davon 2500 im Inland, sagte Paefgen. Innerhalb von fünf Jahren haben die Ingolstädter damit global 13 300 Stellen aufgebaut, davon 10 000 in Deutschland. Ende September waren im Konzern gut 45 500 Mitarbeiter beschäftigt.

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