Wirtschaft : Procter & Gamble: Amerikanischer Konsumgüterhersteller spioniert

Walter Pfaeffle

Der amerikanische Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) hat sich am Wochenende dazu bekannt, den anglo-holländischen Konkurrenten Unilever ausspioniert zu haben. Eine Sprecherin des in Cincinnati im US-Staat Ohio beheimateten Unternehmens räumte ein, P&G-Mitarbeiter hätten entgegen firmeninterner Richtlinien Informationen über Haarpflege-und Haarwaschmittel gesammelt. Von P&G engagierte Schnüffler, darunter ehemalige Geheimdienstler, hätten unter anderem einen Müllcontainer nach Informationen über die Unilever-Produkte durchsucht und von einem sicheren Haus aus gegen Unilever spioniert, berichtete zuerst das Wirtschaftsmagazin Fortune.

P&G hätte von dem Vorgehen schon im April gewusst und daraufhin Unilever verständigt, sagte die Sprecherin. Derzeit verhandelten beide Unternehmen über die "bedauerliche Situation". Sie versicherte, dass keine der Informationen im Wettbewerb verwendet würde. Amerikanischen Medienberichten zufolge verlangen die Niederländer und ihre britischen Geschäftspartner Ausgleichszahlungen in Höhe von bis zu 20 Millionen Dollar (18,3 Millionen Euro). Darüber hinaus fordere Unilever den Einsatz unabhängiger Beobachter, die dafür sorgen sollen, dass P&G von den gesammelten Informationen keinen Nutzen zieht, wie die Londoner Financial Times berichtet.

P&G besitzt weltweit bekannte Markenprodukte wie das Haarwaschmittel Head & Shoulders, die Wegwerfwindeln Pampers, Ivory-Seife und das Waschpulver Tide. Nicht minder bekannt sind Unilever-Produkte wie Lipton-Tee, Dove-Seife, Skippy-Erdnussbutter und die Marken Langnese, Rama und Knorr. Peinlich ist der Vorfall dem P&G-Vorstandsvorsitzenden A.G. Lafley, der das Unternehmen seit Sommer 2000 steuert. Damals hatte P&G etliche Rückschläge erlitten, insbesondere im Marketing-Bereich. Analysten sagten, Lafley habe einige Fehler korrigiert, indem er erfolglose neue Produkte aus dem Markt genommen und sich mit Premium-Produkten auf P&Gs Hauptabsatzmäärkten konzentriert hat. Dem Fortune-Artikel zufolge heuerte P&G geheimdiensterfahrene Vietnam-Veteranen an, die Unilevers Müllcontainer durchsuchten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, P&G habe ein Netz von Vertragsunternehmern und Agenten eingesetzt, um sich von Unilever Marketing-Informationen aus einer Chicagoer Haarpflege-Vertriebsstelle zu beschaffen. Der Spionagefall ist Lafleys zweite große Panne. Anfang des Jahres hatte er mit Coca-Cola ein Gemeinschaftsunternehmen für den Vertrieb von Snacks und Säften ausgehandelt. Coca-Cola überlegte es sich später anders - und der Deal scheiterte.

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