Wirtschaft : Procter & Gamblewill offenbarBeiersdorf kaufen

Börse reagiert mit Kurssprung

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München (nad). Der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble interessiert sich offenbar für den Kosmetikkonzern Beiersdorf. Einem Zeitungsbericht zufolge habe der US-Konzern dem Münchner Allfinanzkonzern Allianz mitgeteilt, dessen Anteil von 43,6 Prozent an Beiersdorf kaufen zu wollen. In den nächsten Tagen wolle Procter & Gamble ein Übernahmeangebot unterbreiten. Industriekreisen zufolge würde aber auch der Familienkonzern Tchibo, mit 30 Prozent zweiter Großaktionär bei Beiersdorf, seine Beteiligung an dem Hersteller von Nivea, Hansaplast und Tesa gerne aufstocken.

Die Beiersdorf-Aktie profitierte am Montag von den Spekulationen: Das Papier stieg bis zum Nachmittag um rund 16,3 Prozent auf 100 Euro. Die Allianz-Aktie verlor dagegen um rund 3,6 Prozent auf 95,95, weil die Trennung von Beiersdorf zwar einen guten Gewinn abwerfen dürfte, aber nicht die größeren Probleme lösen kann, die den Versicherungskonzern zurzeit belasten.

Von der Allianz ist zwar seit längerem bekannt, dass sie den Verkauf ihres Beiersdorf-Anteils erwägt; bisher sah sich der Konzern aber nicht unter Zeitdruck. Beiersdorf hat der Allianz seit Jahrzehnten gute Renditen und Kurssteigerungen gebracht. Derzeit ist das Beiersdorf-Paket der Allianz etwa 3,2 Milliarden Euro wert; insgesamt ist Beiersdorf mit 7,2 Milliarden Euro bewertet. Procter & Gamble gehört seit dem vergangenen Jahr zu dem Kreis von Unternehmen, die mit dem Beiersdorf-Paket der Allianz in Verbindung gebracht werden. Weitere potenzielle Käufer sind Unilever, Johnson & Johnson und der französische Konzern L’Oreal.

Branchenkreisen zufolge wäre der Kauf des Pakets für Procter & Gamble nur sinnvoll, wenn der Konzern auch Tchibo davon überzeugen könnte, seinen Anteil zu verkaufen. Gegen den Großaktionär ließe sich Beiersdorf kaum effizient führen, da Tchibo Entscheidungen im Aufsichtsrat und auf Hauptversammlungen blockieren könnte. Der Interims-Chef des Kaffeekonzerns, der Münchner Wirtschaftsanwalt Reinhard Pöllath, hatte aber im August klargemacht, dass Tchibo seinen Anteil auf jeden Fall aufstocken will. Tchibo verfügt nach dem Verkauf des Zigarettenkonzerns Reemtsma an die britische Imperial Tobacco über mehr als fünf Milliarden Euro, die reinvestiert werden müssen. Pöllath hat hervorragende Beziehungen zu Allianz-Finanzchef Paul Achleitner. Als Hindernis gelten aber die Preisvorstellungen der Allianz. Der Konzern glaubt laut Branchenexperten, mit dem Verkauf an einen Wettbewerber einen höheren Preis für das Beiersdorf-Paket erzielen zu können.

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