Wirtschaft : Produktdesign: Klassiker des Alltagsdesigns: Kunst, die sich nützlich macht

Jacqueline Dreyhaupt

iMac: Wie wichtig Design für den Erfolg eines Produktes ist - Apple hat es vorgemacht. Der iMac versetzte nicht nur die eingeschworene "Apple-Gemeinde" in Entzücken, sondern führte das Unternehmen auch in die Gewinnzone zurück. Technische Leistungsmerkmale scheinen plötzlich eine untergeordnete Rolle zu spielen, Hauptsache Form, Farbe und Material stimmen. "Transluszente" Kunststoffgehäuse, gerundete Ecken und verschiedene Farbkombiationen begeistern die Kunden. Seit der Produkteinführung wurden über fünf Millionen Stück des iMac verkauft. Der Umsatz von Apple lag im Jahr 2000 bei acht Milliarden Euro - davon gehen zwei Drittel auf das Konto des iMac. Der Kult-Status zahlt sich aus.

Billy: Aus den schwedischen Wäldern hinein in die deutschen Wohnzimmer: 1979 startete der Klassiker von Ikea seinen Siegeszug. Seit dem haben sich weltweit 28 Millionen Menschen das Bücherregal mit dem puristischen und funktionalen Design nach Hause geholt. Im vergangenen Jahr haben allein 650 000 Deutsche Billy zusammengebaut. Nach dem Motto: "Entdecke die Möglichkeiten" kann Billy mittlerweile ganz auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtet werden. Ob hoch, niedrig, als Eckkombination in Buche oder dunkelbraun - es ist für jeden etwas dabei. Wer Billy nicht gleich kaufen, sondern sich einfach nur an seiner Formgestaltung erfreuen möchte, befindet sich in guter Gesellschaft. Im Jahr 2000 zählte Ikea Deutschland 54 Millionen Besucher - bei freiem Eintritt versteht sich.

F6: Ein Klassiker des DDR-Designs. Die schlicht gestaltete Zigaretten-Packung besteht aus glattem Papier und zeigt nicht viel mehr als die Warnung der EG-Gesundheitsminister und den Namen der Sorte: das F steht für Filter und die 6 für die 60er Jahre. Da wurde die Zigarettenmarke zum ersten Mal in Dresden produziert. F6 erreichte in der DDR einen Marktanteil von 30 Prozent und obwohl die Zigaretten fast nur in den neuen Ländern in die Regale kommen, liegen sie in der gesamtdeutschen Verkaufsrangliste auf Platz 7. Der Zigarettenkonzern Philip Morris, der die Marke 1990 übernommen hat, erwirtschaftete damit im Jahr 2000 einen Umsatz jenseits der Milliardengrenze. Das Design der Packung hat dazu durch seine Beständigkeit entscheidend beigetragen. Der F6-Konsument kann sich auf das stabile Image seiner Marke verlassen: "Der Geschmack bleibt" - und das Design.

SK4: Nur ein Jahr und die Stückzahl von 4000 reichte aus, um die "Radio-Phono-Kombination" von Braun Design-Geschichte schreiben zu lassen. Der vom Architekten Dieter Rams und Design-Dozenten Hans Gugelot 1956 entworfene SK4 wird wegen seiner kantigen Form liebevoll "Schneewittchen-Sarg" genannt. Von Fachkreisen hoch gelobt, konnte sich der "Phonosuper" am Markt allerdings nicht durchsetzen. Mit 295 Mark war der SK4 auch alles andere als ein Schnäppchen. Oder waren die deutschen Verbraucher noch nicht reif für das Braun-Design?

Vorwerk Kobold: Seit Anfang der 30er Jahre steht der Staubsauger aus Wuppertal wie kein anderer für multifunktionales Design: Haare trocknen, Rauch verdunsten und Parfüm zerstäuben war mit dem Zubehörprogramm des Kobold bis Ende der 60er Jahre kein Problem. Anfang der 70er besann sich Vorwerk aber auf die Kernkompetenz des Kobold: die Raumpflege. Weltweit 4028 Mitarbeiter im Direktvertrieb versuchen heute den Haushaltshelfer in den traditionellen Vorwerk-Farben grün und weiß an den Mann zu bringen. Im vergangenen Jahr wurden Vorwerk-Staubsauger im Wert von 353,7 Millionen Euro verkauft.

Afri Cola: "Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola - alles ist in Afri-Cola". Dieser Slogan löste 1968 in Deutschland den Afri-Cola-Rausch aus. Der Marketing-Coup war geglückt. Die weiße Palme auf schwarzem Grund wurde zum Markenzeichen. Zehn Jahre später gab es das schwarze Zuckerwasser aus Köln nicht nur in Europa, sondern auch in Arabien und Afrika. In den 80er Jahren war der Rausch plötzlich vorbei. Die Techno-Bewegung entdeckte die "Kult-Erfrischung" in den 90er Jahren wieder. Die ungewöhnliche Flaschenform und der hohe Koffeingehalt hatten es den Partygängern angetan. 1998 übernimmt die Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG die Marke und will der Kult-Brause wieder zu altem Ruhm verhelfen. Kino- und TV-Spots im Stil der 60er Jahre von Wim Wenders sollen den Marktanteil von zwei auf fünf Prozent wachsen lassen.

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