Produkte gegen Klimawandel : Grüne Technologien locken Investoren

Finanzverwalter setzen auf den Klimaschutz

New York/München - Es ist viel Geld im Raum, als sich vergangene Woche gut 400 institutionelle Investoren zu einer Tagung in den Vereinten Nationen treffen. Rund 13 Billion Dollar vertreten die Teilnehmer aus den USA, Europa und Australien zusammen. Nach dem gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen wollen sie von Experten erfahren, ob sie es in sogenannte grüne Technologien anlegen sollen.

Am Rednerpult steht Kevin Parker, der das Vermögensmanagement der Deutschen Bank leitet, und er redet nicht lange drum herum: „Der Klimawandel ist wahrscheinlich der größte Investmenttrend aller Zeiten und sicherlich der größte in meinem Leben“, sagt er. „Ich sehe keine großen Risiken.“ Jetzt sei es Zeit für den nächsten Schritt.

Alternative Energien gelten als verlässliche Investments mit stabilen langfristigen Renditen. Und der Bedarf ist riesig: Zehn Billionen Dollar wird die Umwandlung zu einer klimafreundlichen Weltwirtschaft kosten, rund 90 Prozent davon müssen von privaten Investoren kommen. Und Geld, das nach Anlage sucht, ist vorhanden. Doch auch die Deutsche Bank selbst steht noch ganz am Anfang. Von den 700 Milliarden Dollar, die sie in ihrer Vermögensmanagement-Sparte verwaltet, ist weniger als ein Prozent klimafreundlichen Investments zugewiesen. Der Anteil werde rapide ansteigen, verspricht Parker. Genaue Zahlen nennt er jedoch nicht. Die Allianz ist vergangenen Freitag etwas präziser geworden. 30 Milliarden Euro will der Versicherungskonzern in den kommenden Jahren in sogenannte alternative Anlagen investieren, zu denen der Konzern Immobilien sowie Infrastruktur- und Erneuerbare-Energie-Projekte zählt. Ende 2009 hat die Allianz einen Windpark im Osten Frankreichs gekauft. Auch an der Übernahme des Stromnetzes von Vattenfall ist der Konzern interessiert.

Viele andere Investoren warten noch auf günstigere Rahmenbedingungen. So rüsten sich viele Banken für den Tag, an dem ein Emissionshandelsgesetz in den USA verabschiedet wird. Sie erhoffen sich Gewinne durch neue Finanzprodukte und eine Fülle von neuen Geschäften: Kunden in klimarelevanten Fragen beraten, CO2 für den Eigenbedarf handeln und Kredite an Unternehmen vergeben, die ihren CO2-Ausstoß verringern wollen. Auch US-Pensionsfonds zeigen sich zu Investitionen in neue Technologien bereit. Bis sie jedoch bedeutende Summen in die Hand nehmen, werde es wohl noch rund fünf Jahre dauern, schätzt Mindy Lubber, die das Investor Network on Climate Risk leitet, dem 80 nordamerikanische Pensionsfonds angehören. Pensionsfonds gelten als konservative Investoren, die auf langfristige Renditen ausgerichtet sind. Hinzu kommt politische Unsicherheit: „Investoren sind bereit, in eine emissionsarme Wirtschaft zu investieren, aber ohne Gesetze, die ein stabiles Investmentumfeld schaffen, sind uns die Hände gebunden“, sagt Anne Stausboll, Chefin des größten US-Pensionsfonds Calpers, der gut 200 Milliarden Dollar verwaltet.

Für Kevin Parker ist das nur noch eine Frage der Zeit. Die Studien und die Einschätzungen der Deutschen Bank seien auch bei Politikern in Washington sehr gefragt. Senatoren und Gouverneure wollten wissen, wie sie Klimaschutzgesetze künftig so gestalten, dass Investoren in ihre Staaten kommen, erzählt Parker. „Das Interesse an Produkten und Studien zum Klimawandel ist nach Kopenhagen so groß wie nie.“ HB

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