Wirtschaft : Produktiv und gesund

Studie: Pharmabranche in Berlin hat höchste Wertschöpfung pro Mitarbeiter.

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Berlin – Es ist eine Branche, die Berlin besonders fördert: Gesundheitswirtschaft ist der größte der fünf Schwerpunkte (Cluster) der Wirtschaftspolitik in der Stadt, mit vielen Krankenhäusern und Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Pharmaindustrie. Der Lobbyverband vfa, der die forschenden Pharmaunternehmen wie Bayer oder Pfizer vertritt, hat nun gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) einen Branchenüberblick erarbeitet. Das Fazit des am Montag vorgestellten Berichts: Die Pharmaindustrie in der Hauptstadt ist im Hinblick auf ihre Beschäftigten die produktivste im ganzen Land. Auf 600 000 Euro beziffert der Verband den Umsatz pro Mitarbeiter. Damit liegt die Produktivität höher als in allen anderen 15 Bundesländern und deutlich über dem Bundesschnitt von 377 000 Euro Umsatz pro Beschäftigtem. Die Bedeutung der Pharmaindustrie in Berlin sei damit „deutlich stärker ausgeprägt als auf Bundesebene“, erklärte der vfa.

Auch in anderen wichtigen Branchen in der Hauptstadt wie dem Maschinenbau oder der Chemie liegt der Erlös je Mitarbeiter deutlich niedriger als bei der Pharmaindustrie Pharma (siehe Grafik). Insgesamt machen die 25 größeren Pharmaunternehmen der Stadt mit ihren knapp 10 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro – rund 15 Prozent der Erlöse der gesamten deutschen Pharmaindustrie.

Warum die Produktivität gerade in Berlin, das als industriell schwach und eher auf Forschung fokussiert gilt, so hoch ist, vermochten aber der vfa und auch das IW nicht zu sagen. Viele Pharmakonzerne wie Sanofi, Pfizer und Takeda haben keine eigene Produktion in der Stadt, sondern Verwaltung, Vertrieb oder auch Forschungsabteilungen.

Der Befund für Berlin scheint trotz der kürzlich verkündeten Stellenverlagerungen in der Bayer-Forschung positiv. Die Pharmaindustrie sei „einer der wenigen industriellen Wachstumskerne der Stadt und ein Wachstumsmotor innerhalb der in der Region bedeutenden Gesundheitswirtschaft“, teilte der vfa mit. So erwirtschafte die Branche 23 Prozent des Umsatzes des gesamten Verarbeitenden Gewerbes in Berlin. Erlöse und Beschäftigtenzahlen hätten im vergangenen Jahr leicht zugelegt. Allerdings seien die Investitionen, die sich auf knapp 84 Millionen Euro belaufen, „ausbaufähig“, teilte der vfa mit. Auf Baden-Württemberg entfielen rund 30 Prozent der gesamten Investitionen der Branche, in Berlin seien es nur sieben Prozent.

Mit Forderungen an die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, die von der einstigen Hauptgeschäftsführerin des vfa, Cornelia Yzer geführt wird, hielt sich der Verband zurück. Man brauche „noch mehr“ Gesundheitsforschung, sagte vfa- Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Zudem sei eine „noch bessere Ansiedlungspolitik“ nötig – durch die Konzentration der Wirtschaftsförderung, durch den Abbau von Regulierung und Bürokratie, durch mehr „vernetztes Marketing für den Gesundheitsstandort“, sagte Fischer. Konkretere Angaben, etwa welche Regulierung abgeschafft werden sollte, machte der Verband nicht. Man wünsche sich aber eine stärkere Vernetzung aller Akteure im Gesundheitsbereich in der Stadt und sei vom Erfolg öffentlich-privater Kooperationen überzeugt. Jahel Mielke

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