Wirtschaft : Produktpiraten kosten 25 Milliarden

Merkel will sich in China für deutsche Unternehmen einsetzen

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Berlin – Die Produkt- und Markenpiraterie weitet sich für die deutsche Wirtschaft zu einer massiven Belastung aus. Insbesondere die Rolle Chinas als Fälscherwerkstatt der Welt bereitet Unternehmen quer durch alle Branchen große Sorgen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wollen das Problem bei ihrer gemeinsamen China-Reise Ende Mai zu einem zentralen Thema machen.

Die Produkt- und Markenpiraterie stehe bei den Gesprächen mit der chinesischen Führung weit oben auf der Tagesordnung, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Außerdem will die Bundesregierung das Thema zu einem Schwerpunkt ihrer im Januar 2007 beginnenden Präsidentschaft der führenden acht Industrienationen (G 8) machen.

Bereits Ende April hatte sich die chinesischen Regierung in einer Erklärung dazu bekannt, „das Niveau des Schutzes geistiger Eigentumsrechte zu erhöhen.“

Die Wirtschaft ist allerdings skeptisch. „Die rechtliche Situation ist auf dem Papier schon jetzt nicht schlecht“,sagt Doris Möller, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Aktionskreises der Deutschen Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM). Das Problem sei die Durchsetzung. „Wir haben zwar Hinweise, dass die chinesische Seite die Durchsetzbarkeit verbessern will“, sagt Möller. Die Chinesen müssten aber erst noch beweisen, dass sie es ernst meinten.

Produktpiraterie und der Diebstahl geistigen Eigentums führen weltweit jährlich zu Schäden im dreistelligen Milliardenbereich. Die OECD schätzt den Anteil gefälschter Produkte am Welthandel auf acht Prozent. Chinesische Unternehmen sind an den Fälschungen überproportional beteiligt. Rund 60 Prozent der vom deutschen Zoll aufgedeckten Fälle gehen auf das Konto asiatischer Fälscher, der Löwenanteil davon kommt aus China. Längst werden nicht nur leicht kopierbare Produkte wie etwa Textilien gefälscht. Die Produktpiraterie hat längst auch hochwertige technische Erzeugnisse erfasst.

Der Schaden, den die Fälschungen anrichten, ist immens. Laut APM liegt der Umsatzverlust, den deutsche Unternehmen durch Produkt- und Markenpiraterie erleiden, bei 25 Milliarden Euro. Der APM geht davon aus, dass in Deutschland 70 000 Arbeitsplätze durch diese Form der Wirtschaftskriminalität verloren gehen.

Die Ursachen für die wachsende Produktpiraterie sind vielfältig: Offene Märkte erleichtern den Warenaustausch, jedes erdenkliche Produkt ist an jedem Ort der Welt kurzfristig verfüg- und auch kopierbar. str (HB)

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