Produktpiraterie : "Es wird alles gefälscht"

Kopiert wird, was gefällt: Europas Konsumgüterherstellern entgehen durch Plagiate 35 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.

Maren Peters
Uhren
Beschlagnahmt: EU-Zöllner fanden 2007 knapp 80 Millionen Fälschungen. -Foto: ddp

BerlinOb Schokopralinen, Camcorder, Uhren oder Mozzarella – vor Nachahmern ist kaum ein Produkt sicher. Auf bis zu 35 Milliarden Euro schätzt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young die Umsätze, die europäischen Konsumgüterherstellern pro Jahr durch Plagiate entgehen. Das entspreche rund zwei Prozent ihres gesamten Jahresumsatzes, heißt es in der am Donnerstag vorgestellten Studie. Luxusgüter seien dabei noch gar nicht berücksichtigt.

„Es wird alles gefälscht – kein Bereich ist ausgenommen“, sagte Studienleiter Peter Schommer, der die Studie im Auftrag des Deutschen Markenverbandes durchgeführt hat. Das Interesse ist auch bei Verbrauchern groß: Knapp ein Drittel der Befragten kaufte in den vergangenen drei Jahren Artikel von Markenpiraten. Jüngere griffen noch viel häufiger und oft ganz bewusst zu Fälschungen. „Das gilt sogar als cool“, sagte Schommer. Hauptmotiv war der niedrige Preis der Raubkopie. Mit zunehmendem Alter lasse das Interesse dann wieder nach.

Für die Studie hatte Ernst & Young 2500 Verbraucher in Europa zu ihren Einstellungen und 27 Konsumgüterhersteller zu den Risiken durch Plagiate befragt.

Besonders häufig werden demnach immer noch Kosmetik, Körperpflegeprodukte wie Deos, Bekleidung und Accessoires nachgemacht, immer öfter aber auch Nahrungsmittel und Getränke, beklagen die Hersteller. Sie aufzuspüren sei allerdings nicht einfach, weil die Fälschungen äußerlich kaum noch vom Original unterschieden werden könnten. Das mache es auch schwer, den tatsächlichen Schaden anzugeben, räumt Studienleiter Schommer ein.

Das Problem mit einem Kaufverbot für Fälschungen zu beheben, wie in Italien, hält der Deutsche Markenverband dennoch nicht für den richtigen Weg. Hauptgeschäftsführer Christoph Kannengießer plädiert stattdessen für „umfassende Aufklärung“ und ein schärferes Strafrecht. Bislang stünden wirtschaftliche Vorteile der Herstellung und des Handels mit Plagiaten in keinem Verhältnis zum Risiko, das die Täter eingingen. 

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben