Wirtschaft : „Produzieren in den USA ist preiswert geworden“

Frau Elbin, der schwache Dollar macht deutschen Exportfirmen zu schaffen. Leiden Filmproduzenten auch darunter?

Nicht, wenn sie in den USA drehen. Das ist wegen der Dollarschwäche sehr viel attraktiver geworden. Vor ein paar Jahren galt noch die Faustregel, das sich der Preis eines Films um mindestens 50 Prozent verteuert, wenn er in den USA gedreht wird. Heute gilt das Gegenteil: Drehen in den USA ist gegenüber dem Euro-Raum um 50 Prozent preiswerter geworden. Es ist immer eine Frage, was man für sein Geld bekommt – und in den USA bekommt man sehr viel dafür.

Lohnt sich der Aufwand? In Osteuropa kann man auch billig Filme produzieren.

Bei einem Budget von einer Million Euro lohnt es sich natürlich nicht, aber bei fünf Millionen und mehr. Es sind aber nicht nur die Kosten, die für einen Produzenten zählen. Ich habe selbst in Osteuropa und Russland produziert. Diese Länder sind nur auf den ersten Blick preiswert. Die Film-Crews sprechen eine andere Sprache, sie haben häufig weniger Erfahrung, die Technik ist nicht top-modern und wenn doch, wird sie oft nicht beherrscht. Nicht zu vergessen: Bakschisch für die Bürokratie. In Osteuropa ist Schmiergeld an der Tagesordnung. Das alles ist in den USA anders.

Was können Amerikaner besser als Babelsberg oder andere deutsche Dienstleister?

Die Filmindustrie hat eine lange Tradition und sie gehört zu den modernsten Wirtschaftszweigen. Nach der Autoindustrie ist sie der wichtigste Exporteur. Außerdem haben inzwischen mehr als 40 Bundesstaaten zum Teil sehr interessante Förderpakete für Filmfirmen aufgelegt. Die kommen für deutsche Produzenten zum Wechselkursvorteil noch hinzu.

Die deutsche Branche leidet am scharfen Wettbewerbsdruck ausländischer Standorte. Kommen jetzt die USA hinzu?

Wirtschaftlich interessante Filme sind in den vergangenen Jahren aus Kostengründen nach Europa und Deutschland verlegt worden. Das könnte sich jetzt umdrehen.

Das Gespräch führte Henrik Mortsiefer

Debbie Elbin ist Film- und Fernsehproduzentin. Die Amerikanerin arbeitete für Columbia, Warner und NBC. Für RTL produzierte sie von 2001 bis 2002 „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“.

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