Wirtschaft : Profit ohne Reue

Wer bei der Wahl von Aktien und Renten ethische Maßstäbe anlegt, muss nicht auf Gewinn verzichten

Susanne Schmitt

Rendite und Moral – das muss kein Widerspruch sein. Die Finanzbranche hat den Trend erkannt; seit ein paar Jahren werden immer mehr Fonds aufgelegt, die sich bei der Auswahl der Aktien auf ethische Kriterien berufen. Doch im Beratungsgespräch bei der Bank wird man nur selten auf diese Möglichkeit hingewiesen. „Die Bankberater haben das Thema nicht präsent“, sagt Jan Devries vom Beratungsinstitut IMUG in Hannover, der Testgespräche geführt hat.

Dabei gibt es durchaus ein Marktpotenzial. Rund 29 Prozent der Befragten in einer repräsentativen Studie des Instituts gaben an, sich für ethische oder ökologische Investitionen zu interessieren. Aber nur 2,6 Prozent legten tatsächlich einen Teil ihres Vermögens in entsprechenden Fonds an. „Und das ist noch zu hoch gegriffen“, meint Devries. Laut Stiftung Warentest beläuft sich das Fondsvermögen aller rund 60 am Markt verfügbaren ethischen Fonds auf rund 3,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Allein der größte Fonds der Gesellschaft DWS hat ein Volumen von 6,6 Milliarden Euro.

„So genannte ethische Investments gibt es schon lange“, sagt Wolfgang Steuber von der Evangelischen Kreditgenossenschaft in Kassel. Nach welchen Kriterien gehen Anleger vor? Einmal können bestimmte Branchen wie Rüstung, Tabakindustrie und Glücksspiel ausgeschlossen werden. Oder man investiert gezielt in ökologische Unternehmen, die Solartechnik oder Windkraftanlagen herstellen. Am Markt weitgehend durchgesetzt hat sich aber das Nachhaltigkeitsprinzip.

Nach dem „Best-in-Class-Ansatz“ werden die Unternehmen einer Branche nach ethischen Kriterien durchleuchtet. Dabei fallen nicht nur ökologische Gesichtspunkte ins Gewicht, sondern so unterschiedliche Merkmale wie das Verbot von Kinderarbeit, nicht-diskriminierende Mitarbeiterführung, Ressourcen schonender Einsatz von Materialien oder transparente Kommunikation. Wer in diesen Kategorien die Anforderungen erfüllt, kommt für eine Investition in Frage. Im Klassiker unter den Ökofonds, dem 1996 aufgelegten Ökovision, findet sich dann auch die Deutsche Telekom, weil sie PVC-freie Kabel benutzt. Der Ökovision investiert ansonsten in kleine und mittelgroße Firmen, die laut Prospekt „ökologisch orientiert sind, humane Arbeitsbedingungen schaffen oder eine demokratische Unternehmensstruktur haben“. Der belgische Fonds „Dexia Sustainable Social Accent“ setzt auf US-Firmen wie 3M, Johnson&Johnson, Cisco und Gillette. Dexia legt ebenfalls Wert auf soziale, ökologische und ethische Vorreiter.

„Der Best-in-Class-Ansatz eignet sich am besten, wenn man größere Beträge in diesen Bereich platzieren will, insbesondere für institutionelle Investoren, die einen liquiden Markt brauchen“, sagt Wolfgang Steuber. Dem Best-in-Class-Prinzip folgen einige Indizes, an denen sich Privatanleger orientieren können.

Holger Petersen, Anlageberater bei der Umweltbank in Nürnberg, rät interessierten Anlegern, zusätzlich zur normalen Geldanlage ethische Investments zu tätigen. Gerade weil die Aktienfonds nicht so breit gestreut sind wie andere Anlagen, ist das Risiko von Kursschwankungen höher. Wer sein Geld reinen Gewissens aber lieber sicher deponieren will, der kann Tages- oder Festgeldanteile bei einer Bank wie der Umweltbank oder der GLS-Bank in Bochum, in der die Ökobank aufgegangen ist, kaufen. Petersen: „Wir investieren dann in ökologische Projekte wie Solaranlagen oder den Ökohausbau. Das kommt direkt der Umwelt zugute.“

Neben Aktien und Spareinlagen eignen sich nachhaltige Rentenfonds als Anlageform. Gekauft werden dann nur Renten von Staaten, die kein Militär unterhalten (aber kreditwürdig sind), kommunale Anleihen und Pfandbriefe oder Anleihen von Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften. Ein Konsortium kirchlicher Banken hat den Rentenfonds KCD Renten aufgelegt. KCD steht für „Kirche-Caritas-Diakonie“. Sogar eine grüne Rentenversicherung gibt es: Die Hamburger Securvita bietet eine fondsgebundene Rentenversicherung „garantiert frei von Waffenproduktion und Atomkraft“. Investiert wird in Aktien aus dem Natur-Aktien-Index.

Doch wo Ethik draufsteht, ist nicht immer Ethik drin. Die Stiftung Warentest hat herausgefunden, dass die Fonds nicht immer den eigenen Ansprüchen genügen. Bedenken sollten Anleger, dass manche Fonds einen geringen Anteil etwa von Rüstung am Geschäft zulassen und das Unternehmen trotzdem aufnehmen.

Die Wertentwicklung der besten Anbieter kann mit der klassischer Fonds mithalten. „Unter Renditegesichtspunkten sind einige nachhaltige Fonds kein schlechtes Investment“, heißt es bei „Finanztest“. Der Ökovision legte 14 Prozent im Jahr 2004 zu. Der Dexia Sustainable gewann fünf Prozent, liegt in seiner Enwicklung über fünf Jahre aber vor dem Ökovision.

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