Wirtschaft : Prognose: 2001 stimmt Banker optimistisch

ro / mot

Nach dem unerfreulichen Börsenjahr 2000 geben sich Banken für das kommende Jahr wieder optimistisch. "Aktien werden wieder im Zentrum des Interesses stehen", sagt Alfred Roelli, Leiter der Anlage-Strategie für Privatkunden der Deutschen Bank. Den Deutschen Aktienindex Dax sieht er Ende 2001 bei 8200 bis 8700 Punkten, was einem Anstieg um bis zum einem Drittel entsprechen würde. Das Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt ist etwas zurückhaltender. "Unser Indexziel für November 2001 liegt bei 7500 bis 7800", sagte Klaus Metzke, Bereichsleiter Vermögensverwaltung der Berliner Niederlassung, am Donnerstag in Berlin.

Beim Neuen Markt ist Alfred Roelli skeptisch, obwohl er die derzeitigen Korrekturen für zum Teil übertrieben hält. Mehr als zuvor gehe es jetzt darum, auf Qualität zu achten. Dies ist nach Ansicht des Bankers das derzeit größte Problem am Neuen Markt: Management, Strategie und Berichterstattung seien bei etlichen Unternehmen mangelhaft.

Metzke von HSBC Trinkaus & Burkhardt bilanziert das Jahr am Neuen Markt ebenfalls sehr reserviert. Dennoch erwartet er im kommenden Jahr wieder Auftrieb für die New Economy: "Deutschland hinkt den USA deutlich hinterher, das heißt, hier zu Lande sind Produktivitätszuwächse durch weitere Investitionen in die New Economy zu erwarten." Technologiewerte zählen auch 2001 zu den favorisierten Branchen, "auch wenn im Moment keiner mehr daran glauben mag", sagte Metzke. Anleger sollten auf Qualität und Größe achten. HSBC Trinkaus & Burkhardt empfiehlt Ericsson, Nokia, SAP und Cisco.

Roelli räumte am Donnerstag ein, dass sich auch die Experten der Deutschen Bank bei der Einschätzung der Börsenentwicklung verkalkuliert haben. "Wir haben mit einer Herbstrallye gerechnet. Die ist leider ausgeblieben." Noch im Juni hatte Roelli betont, die Börsenampeln stünden auf Grün, die Risiken für einen Kursrutsch seien gering. Damals hatte er vorausgesagt, dass der Dax bis Mitte 2001 auf bis zu 8700 Punkte steigen könnte. Jetzt schiebt die Deutsche Bank diese Prognose um sechs Monate nach hinten.

"Ich würde Ihnen gerne eine Jahresendrallye unter den Weihnachtsbaum legen", bemerkte Klaus Metzke zu den Aussichten für die kommenden Wochen. "Ein nachhaltiger Kursaufschwung bis zum Ende des Jahres scheint allerdings nur sehr schwer vorstellbar." Den gleichwohl immer noch vorhandenen Optimismus begründet Deutsche-Bank-Mann Roelli mit den guten Wirtschaftsaussichten und der generell positiven Entwicklung der Unternehmensgewinne im kommenden Jahr. Positive Impulse sieht Roelli für die Aktien in Euroland durch die in Angriff genommenen Steuerreformen, durch die weitere Liberalisierung und die Öffnung des Wettbewerbs und durch weitere Restrukturierungen in den Unternehmen.

Die Anlagepolitik bei HSBC Trinkaus & Burkhardt sieht ebenfalls eine Übergewichtung des Euroraums vor. Klaus Metzke: "Deutschland spielt wegen der noch zu wenig berücksichtigten Vorteile aus der Steuerreform eine besondere Rolle." Auf seiner Empfehlungsliste stehen die Deutsche Bank, Allianz Versicherung und Zürich Versicherung.

Den Effekt von Steuerreformen will Roelli nicht überbewerteten: Man dürfe nicht zu optimistisch sein. In den USA habe es schon 1986 eine durchgreifende Steuerreform gegeben, der Aufschwung an der Börse habe aber erst in den neunziger Jahren eingesetzt. Im Einzelnen favorisiert die Deutsche Bank für das nächste Jahr in Europa Bankaktien wie ABN Amro oder UBS, Medientitel wie Reuters, Technologie-Aktien wie Alcatel, Epcos oder Nokia und Versicherungspapiere wie Allianz oder Axa. Am Neuen Markt rät er nach den jüngsten Rückschlägen zu besonderer Vorsicht. Anleger sollten bei den Unternehmen auf überdurchschnittliches Ertragswachstum, die Einhaltung der Umsatz- und Gewinnprognosen und die Qualität des Managements und der Informationspolitik achten. Konkret empfiehlt Roelli die Aktien von Aixtron, Consors, Qiagen und Singulus. Eine Prognose für den Neuen-Markt-Index Nemax 50 will Roelli nicht wagen.

Insgesamt sind die Börsenaussichten für das nächste Jahr in Europa am besten, glaubt man bei der Deutschen Bank. In den USA rechnet Roelli mit einem Anstieg der Kurse um etwa 14 bis 18 Prozent, in Japan von acht bis 15 Prozent.

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