Prognose des DIW : Robustes Wachstum, viele neue Jobs

Die Berliner Forscher sagen gute Zeiten voraus. Für Steuersenkungen sehen sie trotzdem keinen Spielraum. Es muss investiert werden, fordern sie.

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Mahnt zu mehr Investitionen: DIW-Chef Marcel Fratzscher.
Mahnt zu mehr Investitionen: DIW-Chef Marcel Fratzscher.Foto: Doris Spiekernmann-Klaas

Es sieht gut aus für die Wirtschaft: Das Wachstum ist robust, die Inflation wird sich wieder abschwächen, und in den nächsten zwei Jahren rechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit einem Zuwachs von 1,5 Millionen Jobs. Dennoch ist DIW-Präsident Marcel Fratzscher nicht wirklich zufrieden: Der Ökonom sieht eine gewaltige Schieflage in Deutschland. Statt über Steuersenkungen zu sprechen, müsse deutlich mehr investiert werden, mahnte Fratzscher am Mittwoch in Berlin. Zumal nach Berechnungen des DIW die Überschüsse in den Staatshaushalten sinken werden. Statt 23,7 Milliarden Euro wie im Jahr 2016 werden Bund, Länder und Gemeinden in diesem Jahr nur noch ein Plus von 14,3 Milliarden Euro und 2018 von 8,6 Milliarden Euro erzielen.

Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent

Umso wichtiger ist es nach Meinung des Berliner Wirtschaftsforschungsinstituts die guten Jahre zu nutzen, um Deutschland wettbewerbsfähig zu halten. In diesem Jahr, glaubt DIW-Konjunkturexperte Ferdinand Fichtner, wird die Wirtschaft um 1,4 Prozent wachsen,im nächsten Jahr werden es 1,7 Prozent sein - vorausgesetzt, in Frankreich gewinnt nicht Marine Le Pen und Italien rutscht nicht in die Staatspleite. Verglichen mit der Dezember-Prognose hat das DIW seine Vorhersage für dieses Jahr um 0,2 Prozent erhöht. Das liegt an korrigierten Arbeitsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit, die für das vergangene Jahr fälschlicherweise nur 50.000 neue Stellen gemeldet hatte. "In Wirklichkeit waren es aber 300.000 mehr", betont Fichtner. Der Arbeitsmarkt wird weiter boomen, glaubt der Ökonom. Er sieht für dieses Jahr 600.000 neue Stellen, für 2018 dann noch einmal 450.000 weitere Jobs. Die guten Rahmenbedingungen helfen auch Geflüchteten, einen Job zu finden, glaubt Fichtner - trotz der "ungünstigen Qualifizierungsstruktur".

Es droht kein Hochinflationsszenario

Der private Konsum wird die Hauptstütze des Wachstums bleiben, erwartet das DIW. Obwohl die Löhne nur moderat anziehen. Zu moderat. Fratzscher sieht bei den Gehältern noch "einiges an Spielraum". Eine gute Nachricht hat das DIW für all die, die sich vor hoher Inflation fürchten. Die Inflation, die im Februar in Deutschland 2,2 Prozent betragen hatte, wird im Jahresdurchschnitt zwar bei 1,8 Prozent liegen, im kommenden Jahr aber merklich - auf 1,4 Prozent - zurück gehen. Da der Preisanstieg vor allem durch die hohen Ölpreise hervorgerufen wird und das Öl nach Einschätzung des DIW nicht teurer wird, rechnet das Institut nicht mit einem Hochinflationsszenario.

Kommunen investieren zu wenig

Beruhigende Nachrichten also, wäre da nicht das Problem mit den Investitionen. Denn sowohl die Unternehmen tun zu wenig, um ihren Maschinenpark zu erneuern und sich auf die Digitalisierung einzustellen, als auch der Staat. Besonders auffällig ist das bei den Kommunen. Von den 3,5 Milliarden Euro, die ihnen der Bund zur Verfügung gestellt hat, sind erst 1,8 Milliarden Euro verplant worden, verbaut sind sogar nur 145 Millionen Euro. Das hat mehrere Gründe, glaubt DIW-Forscher Martin Gornig. In den Ämtern fehle es an Planungs- und Genehmigungskapazitäten und wegen des boomenden Wohnungsbaus gebe es kaum Baufirmen für öffentliche Aufträge. Zudem behindern nach Meinung von Fratzscher unklare Regulierungsvorgaben Investitionen in die öffentliche Infrastruktur.

Die schwachen Investitionen sind in den Augen des DIW-Chefs auch der wahre Grund für den hohen deutschen Leistungsüberschuss, der derzeit für Streit im Verhältnis zwischen Deutschland und den USA sorgt. Anders als von der Regierung Trump behauptet, seien daran nicht der starke Export oder der schwache Euro Schuld, sondern die zu geringen Investitionen, die die Importe bremsen.

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