Prognose : Ein bisschen Aufschwung

Die Bundesregierung und die Europäische Zentralbank sehen erste Anzeichen für eine Trendwende. Ab 2010 könnte die Wirtschaft wieder leicht wachsen.

Moritz Döbler
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Jörg Asmussen. Der Finanz-Staatssekretär denkt laut über die Zeit nach der Krise nach. -Foto: ddp

Berlin – Jörg Asmussen beugt sich vor, stützt sich auf beide Unterarme, die ganz auf der Tischplatte ruhen, verschränkt die Hände, schaut in die Ferne und konzentriert sich auf diesen einen Satz, der Hoffnung macht. „Man kann sagen, dass man erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft sieht“, spricht der Finanz-Staatssekretär. „Aber man muss auch sagen, dass Zeitpunkt und Geschwindigkeit für eine nachhaltige Erholung nach wie vor unsicher sind.“

Immerhin – die Stimmung scheint sich zu drehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sagt ein Ende der Wirtschaftskrise voraus und rechnet ab Mitte 2010 wieder mit leichtem Wachstum. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel hat am Donnerstag sogar seine Prognose angehoben und rechnet für 2010 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent – bisher hatte es einen Rückgang von 0,1 Prozent erwartet.

Dafür haben die Kieler Forscher die Prognose fürs laufende Jahr gesenkt und liegen nun auf einer Linie mit dem Bund, der mit einem Minus von sechs Prozent rechnet. Ähnlich sehen es die EZB und die Bundesbank. Dass es die schwerste Rezession der Nachkriegszeit ist, steht also nicht infrage – aber ihre Dauer bleibt offen.

Ein Indiz für den Umschwung ist der Ölpreis, der erstmals in diesem Jahr – offenbar vor allem wegen starker Nachfrage aus China – auf über 72 Dollar pro Fass gestiegen ist. Allerdings zeigt sich die Internationale Energieagentur (IEA) noch skeptisch: „Diese Anpassung impliziert nicht notwendigerweise den Beginn einer weltweiten wirtschaftlichen Erholung, es könnte aber die Bodenbildung in der Rezession bedeuten“, heißt es im monatlichen Ölmarktbericht der Agentur. Selbst wenn sich die Rezession ihrem Ende nähert, ist jedoch mit steigenden Arbeitslosenzahlen zu rechnen, weil sie der Konjunktur stets hinterherhinken. Hinzu kommt, dass Europa im Vergleich zu asiatischen Schwellenländern oder auch den USA „einen verzögerten Wendepunkt“ erlebt, wie Asmussen sagt.

Die Lage am Geldmarkt habe sich entspannt, aber noch längst nicht normalisiert, konstatiert der Staatssekretär von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Und so denkt die Bundesregierung schon vorsichtig darüber nach, was zu tun ist, wenn sich die Krise tatsächlich ihrem Ende nähert. Eine Möglichkeit wären höhere Preise für die Staatsgarantien, die Banken zahlen müssen, meint Asmussen. Es müsse dann weniger attraktiv werden, für die Refinanzierung den Staat in Anspruch zu nehmen. Noch seien solche Schritte für Deutschland nicht absehbar, aber das Finanzministertreffen der G-8- Staaten am Wochenende beschäftige sich auch mit Exit-Strategien.

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