Prognose : US-Konjunktur belastet die Post

Der Konzern macht im ersten Quartal Verluste, bleibt aber bei seiner Gewinnerwartung für das Gesamtjahr.

Axel Granzow
Konjunktur Post
Das defizitäre US-Geschäft mit Eilsendungen hat das Bonner Unternehmen zu Jahresbeginn belastet. -Foto: dpa

Bonn Die Finanzmarktkrise und das defizitäre US-Geschäft mit Eilsendungen haben der Deutschen Post das erste Quartal 2008 und damit den Start ins neue Jahr verhagelt. Dennoch hält der Logistikkonzern an der Prognose für das Gesamtjahr fest. Das Geschäft sei zwar erheblichen Unsicherheiten angesichts der Entwicklung der Weltwirtschaft, des Ölpreises oder der Wechselkurse ausgesetzt, sagte Post-Finanzchef John Allan am Mittwoch vor Analysten. Doch gebe es keinen Grund, die Prognose eines Ebits vor Einmaleffekten von 4,2 Milliarden Euro sowie eines Vorsteuergewinns von 3,2 Milliarden Euro anzupassen.

Die amerikanischen Konkurrenten Fedex und UPS hatten dagegen ihre Gewinnprognose angesichts der schwachen US-Konjunktur und hoher Spritpreise nach unten korrigiert. Fedex reduzierte seine Gewinnprognose für das laufende Quartal sogar bereits zum zweiten Mal. UPS hatte Ende April seine Gewinnerwartung für das laufende Geschäftsjahr gekappt. Die Post setzt dagegen auf das Sanierungsprogramm „Roadmap to Value“. Damit will der Konzern die Profitabilität insbesondere im Express- und Logistikbereich steigern und die Liquidität durch Immobilienverkäufe verbessern. Erst Anfang April hatte der Konzern 1300 Immobilien für eine Milliarde Euro an den US-Investor Lone Star verkauft. Auch die Tochter Postbank prüft derzeit Immobilienverkäufe.

Im ersten Quartal ist das operative Ergebnis (Ebit) des Konzerns vor allem wegen Sonderaufwendungen bei der Postbank um knapp 15 Prozent auf rund 850 Millionen Euro gesunken. Die rund 170 Millionen Euro umfassenden Wertberichtigungen der Postbank hätten die Konzernzahlen etwas unter die Markterwartungen gedrückt, sagte BHF-Analyst Nils Machemehl. An der Börse gab die Post- Aktie im Tagesverlauf leicht nach.

Um die Postbank ranken sich seit Monaten Übernahmespekulationen, nachdem die Konzernmutter angekündigt hatte, neu über die Tochter nachzudenken. Eine rasche Entscheidung sei aber nicht zu erwarten, sagte Post-Finanzchef Allan. Denn das Institut entwickle sich gut. Es bestehe kein Handlungsdruck.

Während das Briefgeschäft das Ende des Monopols in Deutschland zum Jahreswechsel ohne größere Schrammen verkraftete, verbuchte die Expresssparte mit dem verlustreichen US-Geschäft einen Ebit-Rückgang um 32 Prozent auf 21 Millionen Euro. Bis Ende des Monats will der Konzern ein Sanierungskonzept für das US-Geschäft vorlegen, über das der Aufsichtsrat am 28. Mai beraten soll. Post-Chef Frank Appel bezeichnete das defizitäre US-Expressgeschäft in einem Brief an die Aktionäre als seine wichtigste Herausforderung. (HB)

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