Wirtschaft : Prokon meldet Insolvenz an

75 000 Anleger zittern um 1,4 Milliarden Euro.

Frankfurt am Main/Düsseldorf - Der Windparkbetreiber Prokon ist pleite. Das Unternehmen aus Itzehoe bei Hamburg bestätigte am Mittwoch, Insolvenzantrag gestellt zu haben. „Das bedeutet allerdings keineswegs das Aus für Prokon“, betonte die Firma in einem auf der Internetseite des Unternehmens veröffentlichten Schreiben. Bei Prokon haben gut 75 000 Anleger insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten angelegt. Als Eigenkapitalgeber müssen sie sich in der Insolvenz hinten anstellen und dürften einen großen Teil ihres Einsatzes verlieren.

Der Geschäftsbetrieb bei Prokon soll ohne Einschränkungen fortgeführt werden. Das teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin mit. Die bisherigen Ansprechpartner stünden Lieferanten und Kunden bei Prokon weiter zur Verfügung. Für die Beschäftigten werde eine Insolvenzgeldvorfinanzierung vorbereitet. Dadurch könnten Löhne und Gehälter bis einschließlich April 2014 über Insolvenzgeld vorfinanziert werden. Penzlin betonte, dass Rückzahlungen von Genussscheinkapital oder Zinsen derzeit nicht möglich seien. Forderungsanmeldungen seien erst möglich, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet werden sollte.

Ein Ultimatum von Firmengründer Carsten Rodbertus an die Anteilseigner, ihr Geld nicht aus dem klammen Unternehmen abzuziehen, war am Montag gescheitert. Knapp zwei Drittel stimmten ab, doch nur 54 Prozent statt der geforderten 95 Prozent der Anleger wollten Prokon zusichern, ihr Geld für weitere Monate investiert zu lassen. Rodbertus hatte den Anlegern offen mit Insolvenz bis Ende Januar gedroht.

Vor Gericht hat Rodbertus am Mittwoch noch einen kleinen Sieg errungen. Das Landgericht Itzehoe schmetterte den Antrag der Verbraucherzentrale Bundesverband auf Erlass einer einstweiligen Verfügung ab. Die Verbraucherschützer hatten Rodbertus vorgeworfen, die Anleger mit dem Schreiben erpresst zu haben. Das Gericht fand daran allerdings nichts auszusetzen. rtr/dpa

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