Wirtschaft : ProSiebenSat1 spielt Hollywood

TV-Konzern schreibt schwarze Zahlen und will mit Top-Filmen Zuschauer locken/Angebote für Kirchs Bibliothek

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Ber lin/München (mot/nad). Die ProSiebenSat1Media AG will trotz der anhaltenden Werbekrise im laufenden Jahr ihren Anteil am deutschen Fernsehmarkt auf rund 30 Prozent ausbauen. Gleichzeitig hält das Unternehmen, das vor dem Verkauf an den USInvestor Haim Saban steht, an seinem „harten Kostenkurs“ fest, wie Vorstandschef Urs Rohner am Donnerstag in München sagte. Der Vertrag mit Saban soll an diesem Freitag oder spätestens am Montag unterschrieben werden. Der endgültige Abschluss (Closing) könne dann bis Mitte der Woche erfolgen, sagte ein Kirch-Media-Sprecher.

Aufgrund massiver Einsparungen bei den Personal-, Programm- und Materialkosten haben alle drei Vollprogramme der Gruppe – ProSieben, Sat1 und Kabel1 – im zweiten Quartal erstmals seit drei Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. Nach einem Verlust von 30,8 Millionen Euro im ersten Quartal verbesserte sich das Ergebnis zwischen April und Juni auf 33,2 Millionen Euro – das war fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig musste der Konzern einen Umsatzeinbruch verkraften: Wegen des schwachen Werbemarktes fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 466,9 Millionen Euro. Als Erfolg wertete Rohner, dass der bisher defizitäre Sender Sat1 einen Quartalsgewinn von 8,1 Millionen Euro erzielte. Für den Kanal zahlte sich der Wegfall der verlustbringenden Bundesliga-Übertragung aus, deren Kosten Rohner mit rund 100 Millionen Euro bezifferte.

Der Vorstand zeigte sich zuversichtlich, dass die Fernsehgruppe ihren Marktanteil bei den werberelevanten 14- bis 49jährigen Zuschauern im laufenden Jahr von derzeit 28,9 auf 29,5 Prozent steigern kann. In der Zielgruppe hatte ProSiebenSat1 zuletzt Zuschauer an die RTL-Gruppe verloren, die mit Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ hohe Einschaltquoten erzielen konnte. Die Ex-Kirch-Sender wollen nun mit eigenen Show-Formaten und erstklassigen Filmen Zuschauer und Werbekunden zurückgewinnen. „Unsere Spielfilmversorgung war nie so gut wie heute“, sagte Rohner. ProSiebenSat1 hatte sich unter anderem knapp 2500 Filme und Serien aus der Bibliothek des zusammengebrochenen Kirch-Konzerns gesichert und Programmverträge mit fast allen großen Hollywood-Studios abgeschlossen. Gleichzeitig erwarb der Konzern die Free-TV-Rechte der Champions League.

Bibliothek bis Ende 2003 verkauft

Kirch-Media kommt bei der Verwertung der Reste ihrer Filmbibliothek unterdessen voran. „In etwa zwei Wochen entscheiden wir, ob wir in den Verkaufs- und Bieterprozess einsteigen“, sagte ein Kirch-Media-Sprecher dem Tagesspiegel. Bis Ende des Jahres sollen die knapp 16000 Spielfilme und Serien, die nach der Abgabe des Pakets an ProSiebenSat1 noch übrig sind, verkauft werden. Derzeit prüfe UBS Warburg etwa ein Dutzend Angebote von in- und ausländischen Interessenten. Branchenkreisen zufolge sind darunter ARD und ZDF, der Filmrechtehändler Herbert Kloiber (Tele-München-Gruppe) und der Medienunternehmer Jan Mojto. Insolvenzverwalter Michael Jaffé hofft, mit der Veräußerung der Bibliothek jetzt mehr zu erlösen, als ein – ursprünglich geplanter, dann aber nicht realisierter – Verkauf an Saban eingebracht hätte. Damals war ein Betrag von etwa einer Milliarde Euro im Gespräch.

Urs Rohner ist für das Werbejahr 2003 alles andere als optimistisch. Zwar habe die Sender-Gruppe im Juli erstmals seit zwei Jahren gegenüber dem Vorjahresmonat steigende Werbeerlöse erzielt. Rohner schließt aber nicht aus, dass der Markt im Gesamtjahr erneut um bis zu zehn Prozent einbricht. Selbst in diesem Fall werde das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) der Pro Sieben Sat1 AG aber „signifikant über 100 Millionen Euro“ liegen. 2002 betrug es 134 Millionen Euro. „Generell dürfen wir sagen, dass sich die Stimmung wieder etwas aufgehellt hat“, sagte Rohner. Die ProSiebenSat1-Aktie stieg bis zum Nachmittag um 7,3 Prozent auf 6,60 Euro.

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