Wirtschaft : Prost auf Mallorca

Regierung kippt geplante Ökosteuer auf Getränkeverpackungen und Mietautos.

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Flaschen am Strand. Ursprünglich sollten die Steuern, die auch für Bier- und Weinflaschen gegolten hätten, schon in der laufenden Urlaubssaison in Kraft treten. Foto: AFP Foto: AFP
Flaschen am Strand. Ursprünglich sollten die Steuern, die auch für Bier- und Weinflaschen gegolten hätten, schon in der laufenden...Foto: AFP

Palma de Mallorca - Nach langem Ringen und einem Proteststurm sind die geplanten Ökosteuern auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca zunächst vom Tisch. Die Inselregierung teilte mit, dass die umstrittenen Sondersteuern für Mietwagen, auf Getränkeverpackungen und für große Einkaufsflächen zunächst auf Eis gelegt werden. Ursprünglich sollten diese Umweltsteuern schon in der laufenden Urlaubssaison 2013 in Kraft treten. Autoverleiher, Hoteliers, Gastronomen und Handelsketten hatten diese Mallorcasteuern aber abgelehnt und mit einer Klagewelle gedroht.

Der heftige Widerstand hatte Erfolg: Die Durchsetzung der „grünen Steuern“ sei „in diesem Moment nicht angemessen“, verkündete José Ramón Bauzá, der konservative Regierungschef der Balearischen Inseln, zu denen neben Mallorca auch Ibiza, Menorca und Formentera gehören. Die Steuerpläne würden erst einmal verschoben und im Herbst noch einmal überdacht. Jetzt rollt die Urlaubshochsaison auf der beliebtesten Ferieninsel Europas an, das Geschäft kommt in Schwung, da wollte Bauzá wohl nicht mit einer Steuerlast, die auch die Touristen getroffen hätte, für Misstöne und Negativschlagzeilen sorgen.

Zumal sich ein gutes Feriengeschäft auf Mallorca abzeichnet: Die Touristenzahlen wachsen 2013 erfreulich. Noch immer profitiert die Mittelmeerinsel von den instabilen Verhältnissen bei den Reisemarktkonkurrenten Ägypten und Tunesien. Die jüngsten Krawalle in der Türkei sorgten für einen zusätzlichen Buchungsschub. Dieses Plus im Tourismusgeschäft, der größten Einnahmequelle für die Insulaner, ist umso wichtiger, als Mallorca wie ganz Spanien in einer tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise steckt. Die Arbeitslosenquote auf den Baleareninseln liegt bei 28 Prozent.

Geplant war, für Mietwagen eine Umweltsteuer zwischen drei und 7,50 Euro pro Tag zu verlangen. Die Autoverleiher hatten gedroht, dies auf die Preise aufzuschlagen und hatten vor „negativen Auswirkungen für den Mallorcatourismus“ gewarnt. Aus dem gleichen Grund war die Getränkesteuer für Flaschen, Dosen und Kartons abgelehnt worden, welche im Schnitt etwa fünf Cent pro Verpackung betragen sollte. Zuvor hatte bereits die Ankündigung der Regionalregierung, künftig tonnenweise Müll aus anderen Ländern nach Mallorca zu importieren und dort zu verbrennen, für heftigen Protest gesorgt.

Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 10,3 Millionen ausländische Urlauber auf die Balearischen Inseln. Davon waren 3,8 Millionen oder 37 Prozent Deutsche, welche das mächtigste Touristenkontingent stellen. Die meisten Balearengäste verbringen ihre Ferien auf Mallorca, der größten Baleareninsel, wo sich in 2013 rund acht Millionen ausländische Gäste entspannten. Auf Mallorca lag der Anteil der Deutschen am Auslandstourismus sogar bei 42 Prozent, danach kommen mit etwa 25 Prozent die Briten.

Spanische Urlauber sind auf der Insel übrigens in der Minderheit: Auf einen spanischen Feriengast kommen, statistisch gesehen, drei deutsche Touristen. Angesichts dieser Übermacht ist es kein Wunder, wenn auf dem Eiland zuweilen der Eindruck aufkommt, dass Mallorca in deutscher Hand sei.

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