Wirtschaft : Proteste gegen die Telekom

Berlin - Hunderte Mitarbeiter der Deutschen Telekom haben am Freitag gegen die geplante Schließung von Call-Centern des Konzerns protestiert. In mehreren Städten in Bayern, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen gingen Mitarbeiter auf die Straße, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. In Berlin soll es in der kommenden Woche eine außerordentliche Betriebsversammlung geben.

Die Telekom hatte angekündigt, ihre Call-Center zu größeren Einheiten zusammenschließen zu wollen und dafür Standorte in 39 Städten zu schließen. Dazu gehören auch die Call-Center in Berlin (mit 859 Mitarbeitern) und Potsdam (127 Mitarbeiter). Bundesweit soll fast die Hälfte der insgesamt 18 000 Beschäftigten künftig an einem anderen Standort arbeiten. Wer heute in Berlin beschäftigt ist, soll demnach nach Frankfurt an der Oder fahren, die Potsdamer nach Magdeburg.

Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder warf der Telekom vor, sie wolle es ihren Mitarbeitern durch die Standortpolitik unmöglich machen, ihre Arbeit auszuüben und plane einen „Kahlschlag“. Im Deutschlandradio sagte Schröder, der auch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt: „Es geht nicht mehr darum, Verständigung zu suchen, es geht um Überfahren.“ Er nannte es Vertragsbruch, dass die Telekom zunächst die Politik über die Schließungspläne informiert habe und danach die Arbeitnehmervertreter. Der Berliner Betriebsratsvorsitzende Hans-Joachim Bartlick sagte dem Tagesspiegel am Freitag, der Betriebsrat sei bis dahin vom Unternehmen noch gar nicht offiziell über die Pläne informiert worden. Daher werde der Betriebsrat das Unternehmen per einstweiliger Anordnung „gerichtlich motivieren, uns zu informieren“.

Neben den Protesten der Mitarbeiter erhöht sich der Druck auf die Konzernführung aus der Politik: Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) kritisierte die geplante Schließung: „Man soll nicht glauben, dass alle diese Entscheidungen klug bedacht und rational sind.“ vis/dpa

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