Wirtschaft : Provider-Fusion: Wanadoo übernimmt Freeserve

Die Internet-Tochter Wanadoo des französischen Telefonkonzerns France Télécom übernimmt den britischen Provider Freeserve. Die Fusion solle per Aktientausch erfolgen, gaben beide Unternehmen am Mittwoch bekannt. Freeserve ist mit rund zwei Millionen Kunden der größte Internet-Provider in Großbritannien und wird derzeit zu 80 Prozent von der Heimelektronik-Kette Dixons kontrolliert. Wanadoo ist die Nummer eins unter den Internet-Anbietern in Frankreich und beherrscht mit 1,6 Millionen Abonnenten rund ein Drittel des Marktes. Nach Angaben der Firmen sollen den Freeserve-Eignern je Aktie 0,225 neue Wanadoo-Anteile angeboten werden. Freeserve wird somit mit insgesamt 2,7 Milliarden Euro (5,28 Milliarden Mark) bewertet.

Die Wanadoo-Aktien sollen durch eine Kapitalerhöhung aufgebracht werden. Der Anteil von France Télécom an der seit Sommer börsennotierten Internet-Tochter wird dadurch von 88 auf rund 73 Prozent sinken; Dixons wird eigenen Angaben zufolge knapp 13 Prozent von Wanadoo erhalten. Die Pariser Börse reagierte am Mittwoch mit extremen Kursschwankungen auf die Nachricht.

Nach Ansicht von Wanadoo-Chef Nicolas Dufourcq steigt sein Unternehmen mit der Freeserve-Übernahme zum größten Internet-Provider in den wichtigsten europäischen Märkten auf. Die Gespräche zwischen Freeserve und dem deutschen Unternehmen T-Online waren im Juni abgebrochen worden. Wanadoo und Freeserve haben zusammen 4,1 Millionen Internet-Kunden, T-Online rund sieben Millionen. Der größte französische Anbieter ist auch in Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Spanien und Marokko vertreten sowie über eine Beteiligung bei der Mobilcom zudem auf dem deutschen Markt (Freenet.de). Das 1998 gegründete Unternehmen Freeserve bot als erstes in Großbritannien einen kostenlosen Zugang ins Internet.

Analysten betrachteten die Übernahme von Freeserve als unumgänglich, da dem Unternehmen allein die notwendige Größe fehle, um sich im sich konsolidierenden europäischem Wettbewerb zu behaupten. Außerdem könnten die Briten durch ein Zusammengehen an die nötigen Mittel gelangen, um den Ausbau breitbandiger und mobiler Internet-Zugänge zu finanzieren. Den Kursverlust von Dixons begründeten die Experten damit, dass die Übernahme ohne Bargeld-Anteil abgewickelt werde. "Sie haben nur eine Menge Schrott-Aktien durch eine etwas größere Menge Schrott-Aktien ersetzt", kommentierte Seymour-Pierce-Analyst Richard Ratner die Übernahme. Auch sei der Kaufpreis von 157 Pence niedrig ausgefallen. Er selbst habe mit 160 Pence gerechnet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben