Prozess : Ex-Infineon Chef wehrt sich: „Ich war und bin nicht käuflich“

Private "Zwischenstopps", Gelder vom Werbevermittler, Teilnahme an privaten Autorennen. Ex-Infineon-Chef Schumacher steht seit Montag wegen Bestechlichkeit vor Gericht.

Thomas Magenheim
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Harmloser Motorsportfreund? Der frühere Infineon-Chef Ulrich Schumacher (ganz rechts) am Montag im Gerichtssaal. -Foto: ddp

München – Dass er nicht der größte Sympathieträger ist, dass er Fehler gemacht hat – vieles lässt Ulrich Schumacher gelten, aber den einen Vorwurf nicht: „Ich war und bin nicht käuflich“, sagte der 51- jährige frühere Infineon-Chef am Montag vor dem Landgericht München. Genau wegen dieses Vorwurfs aber muss er sich verantworten: Bestechlichkeit, Untreue, versuchter Betrug und Steuerhinterziehung. Konkret geht es um Geldflüsse zwischen ihm und dem bereits wegen Bestechung verurteilten Werbevermittler Udo Schneider, die Schumacher mit privaten Autogeschäften erklärt.

Der 2004 geschasste Vorstandsvorsitzende räumte am ersten Verhandlungstag lediglich ein, bei einem Geschäftstermin einen „privaten Zwischenstopp“ eingelegt und Infineon dadurch Mehrkosten aufgebürdet zu haben. Zudem habe er sich von Schneider Markenbekleidung schenken lassen, was „eine Eselei“ gewesen sei. Unwahr sei aber Schneiders Behauptung, er habe sich die Teilnahme an privaten Autorennen im Millionenwert bezahlen lassen, um Schneider als Ausgleich PR-Verträge zuzuschanzen. Sein bester Freund sei Schneider gewesen, zugleich aber ein Geschäftspartner, der für Infineon jahrelang Sportsponsoring vermittelt habe und ihn nun vernichten wolle, behauptete der Angeklagte. Die Freundschaft habe ihn dazu veranlasst, Schneider 2006 bei dessen Prozess 400 000 Euro für Anwaltskosten zu leihen. Später habe er weitere 200 000 Euro gezahlt. Während mancher Prozessbeobachter Schweigegeld vermutet, beschuldigte Schumacher seinerseits Schneider. Der zu vier Jahren Haft verurteilte Geschäftspartner, habe ihn über Mittelsmänner erpresst und weitere 800 000 Euro gefordert. Schneider dagegen behauptet, Schumacher habe von ihm allein 2003 rund 300 000 Dollar erhalten.

Die Staatsanwaltschaft bietet 30 Zeugen auf, um Schumachers Schuld zu beweisen. Wird dieser überführt, droht dem heutigen Chef des chinesischen Chipproduzenten Grace Semiconductor eine Gefängnisstrafe. Auch Schneider dürfte aussagen – er hat bereits angekündigt, seine Darstellung in allen Prozessen zu wiederholen.

Schumacher, der einst eine Symbolfigur der New Economy war, beschrieb sich vor Gericht als Rennsportfan. Auch habe er alte Rennwagen gesammelt, was mehrere 100 000 Euro verschlungen habe. Strittig ist, wer das bezahlt hat. Die Staatsanwaltschaft nennt acht Fälle, in denen er von Schneider dafür Bargeld zugesteckt bekommen habe. Das sei Geld für private Käufe von Porsche-Oldtimern gewesen, beteuerte Schumacher. Zugleich räumte er ein „ungutes Gefühl“ ein, als er bei einem Termin mit dem damaligen SPD-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement 150 000 Euro Bares aus einer Schneider-Transaktion in einer Plastiktüte bei sich getragen habe. Thomas Magenheim-Hörmann

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