Prozess um Anlagebetrug : Kiener vor Gericht

Der Schaden soll sich auf 345 Millionen Euro belaufen. Das Landgericht Würzburg versucht seit Mittwoch, das Dickicht der Geschäfte des Finanzjongleurs Helmut Kiener zu durchdringen.

In einem der größten Prozesse um Anlagebetrug in Deutschland geht es um einen Schaden von 345 Millionen Euro, den der Diplom- Psychologe und Hedgefonds-Manager Kiener aus Aschaffenburg mit seinen „K1-Fonds“ verursacht haben soll. Das Schneeballsystem war nach sieben Jahren im Herbst 2009 aufgeflogen. „Es ist eine Vorverurteilung, von Betrug zu sprechen“, sagte der 51-Jährige unmittelbar vor Prozessbeginn. Zur Sache werde Kiener sich zunächst nicht äußern, sagte sein Verteidiger Achim Groepper am Rande der Verhandlung.

Kiener ist des 35-fachen Betrugs, Urkundenfälschung in 86 Fällen und der Steuerhinterziehung angeklagt. Auf mehrfachen schweren Betrug stehen bis zu 15 Jahre Haft. Fast 5000 private und institutionelle Investoren sowie die Großbanken Barclays Capital und BNP Paribas sind nach Erkenntnissen der Staatsanwälte unter den Geschädigten. „Der Täuschungsvorwurf trifft ihn sehr hart“, sagte Groepper über den Angeklagten, der seit gut 16 Monaten in Untersuchungshaft sitzt. Kiener wolle versuchen, den Schaden gutzumachen. „Der Wunsch und Wille dazu liegt vor – soweit es im Rahmen des Möglichen liegt.“

Kiener, der den Gerichtssaal in einem knapp geschnittenen weinroten Anzug und Cowboystiefeln betrat, verfolgte die mehr als drei Stunden dauernde Verlesung der Anklage in seine Akten vertieft. Geschädigte Anleger dürfen den Prozess vorerst nicht verfolgen, weil sie als Zeugen gehört werden könnten.

Die Staatsanwälte Martin Gallhoff und Katja Weisensel-Kuhn zeichneten nach, wie sich Kiener immer tiefer in den Strukturen seines eigenen Schneeballsystems verhedderte. In Prospekten habe er Anlegern ein „semi-automatisches K1 Fund Allocation System“ vorgespiegelt, das pro Jahr im Schnitt mehr als zehn Prozent Rendite abgeworfen habe. Sogar Banken wie Barclays und Bear Stearns ließen sich davon locken. Tatsächlich hätten die Fonds „K1 Global“ und „K1 Invest“ aber kaum Geld angelegt. Sie waren im Steuerparadies Britische Jungferninseln registriert worden, nachdem die deutsche Finanzaufsicht Bafin 2001 vergeblich versucht hatte, Kiener das Handwerk zu legen.

Eingeworbene Mittel seien verwendet worden, um andere Anleger auszuzahlen und den zunehmend luxuriösen Lebensstil von Kiener zu finanzieren, heißt es in der Anklage. Er habe sogar zwei Flugzeuge und einen Hubschrauber gekauft. Der Anklage zufolge fälschte er persönlich über Jahre hinweg Bank- und Depotauszüge – mit Wissen oder Billigung seines Mitangeklagten Claus David Z.

Auch drei über einen Mittelsmann in den USA aufgelegte Fonds mit Namen „Nauticus“ und „Silverback“, in die die Banken Millionen steckten, investierten selbst fast ausschließlich in die beiden K1-Fonds und hielten sie damit vorübergehend liquide. Selbst als dieser Zusammenhang 2008 offenbar wurde, dauerte es noch mehr als ein Jahr, bis das Schneeballsystem aufflog. rtr

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