Prozess : VW-Personalmanager gesteht in Korruptionsaffäre

Im Verfahren zur Aufarbeitung der Korruptions-Affäre bei Volkswagen hat der ehemalige Personalmanager Gebauer am ersten Prozesstag ein Geständnis abgelegt. Er soll Lustreisen für den Betriebsrat organisiert haben.

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Klaus-Joachim Gebauer hat die Anklagepunkte bestätigt. -Foto: ddp

Hannover"Der Sachverhalt ist in der Anklage weitgehend zutreffend wiedergegeben", sagte der entlassene VW-Personalmanager am Nachmittag vor dem Landgericht Braunschweig. Gebauer wird Untreue in 40 Fällen und Anstiftung zum Betrug zur Last gelegt. Er soll für Lustreisen des Betriebsrates und andere Vergnügungen 1,26 Millionen Euro bei VW als Spesen abgerechnet haben, wie die Staatsanwaltschaft in der Anklage erklärt hatte.

Er war für die Reiseorganisation des Betriebsrates zuständig. Gebauer bestand in einer verlesenen Erklärung aber darauf, immer im Auftrag seiner Vorgesetzten und des Vorstandes gehandelt zu haben. Man habe in angewiesen "Abrechnungen zu ändern, um sie der Überprüfung zu entziehen", sagte er. Undurchsichtigkeit sei das oberste Prinzip gewesen, damit die Kosten für die teuren Reisen und die Prostituierten nicht einzelnen Reiseteilnehmern nachgewiesen werden konnten.

Gebauer sieht sich als Opfer


Er selbst sei eher Opfer als Täter, sagte er. Gebauer räumte auf Nachfrage der Richterin ein, er selbst habe als Teilnehmer der Reisen aber auch von den undurchsichtigen Abrechnungen profitiert. Auf die Frage, ob er die eigenen Kosten VW aufgeladen hätte, sagte er aber: "Natürlich nicht". Gebauer ist nach eigenen Angaben nach seiner fristlosen Entlassung Sommer 2005 jetzt Frührentner.



Volkert weist Vorwürfe weiter zurück

Der frühere VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert hat den Vorwurf der Anstiftung zur Untreue Von sich gewiesen. Es sei ihm nur um eine angemessene Bezahlung gegangen, da das System der Mitbestimmung bei VW dem Betriebsrat weit über das übliche Maß reichende Aufgaben zugewiesen habe. "Die zusätzliche Arbeit wurde aber nicht angemessen bezahlt", sagte Volkert zu Beginn des Verfahrens.

Er habe den damaligen Vorstandschef Ferdinand Piëch angesprochen, der ihm versichert habe, er solle wie ein Markenvorstand behandelt werden und Personalvorstand Peter Hartz werde sich darum kümmern. Über die Idee mit den Sonderbonuszahlungen sei er zunächst gar nicht begeistert gwesen, weil sie sich nicht auf seine Rente auswirkten. "Ich habe Herrn Dr. Hartz nicht dazu angestiftet, Sonderboni an mich zu zahlen", sagte Volkert. Die Anklage wirft ihm vor, Hartz dazu aufgefordert zu haben. Volkert erhielt knapp zwei Millionen Euro Sonderzahlungen.



Da Volkert anders als Gebauer die Vorwürfe weiterhin bestreitet, muss das Landgericht Braunschweig der Affäre wohl in all ihren Verästelungen auf den Grund gehen. 18 Zeugen sind bereits geladen, unter ihnen Hartz und Piëch, aber auch zahlreiche Prostituierte. Das Urteil soll am 24. Januar verkündet werden. (mit AFP, dpa)

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