Wirtschaft : Prozessauftakt gegen Haffa-Brüder EM.TVwillSchadenersatz von 200 Millionen Euro

N. Huss

München - Der Prozess des Medienunternehmens EM.TV gegen die Firmengründer Thomas und Florian Haffa hat am Donnerstag vor dem Landgericht München begonnen. Auch Ex-Aufsichtsratschef Nickolaus Becker gehört zu den Angeklagten. Bei dem Zivilprozess, zu dessen Auftakt nur Becker persönlich erschien, geht es um Schadenersatzforderungen von rund 200 Millionen Euro.

Das heutige Management unter Vorstandschef Werner Klatten wirft den Angeklagten vor, ihre kaufmännischen Sorgfaltspflichten beim Erwerb der Formel-1-Anteile im März 2000 vernachlässigt zu haben. Das damalige Management habe sich im Vorfeld der Transaktion nicht ausreichend über die Risiken informiert und über keine gesicherte Finanzierung verfügt, kritisierte EM.TV-Anwalt Stefan Rützel. Die Firmenstruktur von EM.TV habe eine so große Akquisition zum damaligen Zeitpunkt eigentlich nicht zugelassen. Die 2,7 Milliarden Euro schwere Investition in die Formel 1 bezeichnete Rützel als „Blindflug“.

Haffa-Anwalt Thomas Mahlich entgegnete, das frühere Management habe „keinen faulen Apfel, sondern ein sehr werthaltiges Geschäft gekauft“. Zum Zeitpunkt des Formel-1-Kaufs sei der Absturz des EM.TV-Aktienkurses am Neuen Markt nicht vorhersehbar gewesen. Um diese Kernfragen zu klären, will das Gericht nun ein Gutachten von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer einholen, bevor die mündliche Verhandlung fortgesetzt wird. Richter Helmut Krenek geht davon aus, dass sich das Verfahren zwei bis drei Jahre hinziehen wird.

In einem früheren Strafprozess waren die Haffa-Brüder wegen geschönter Bilanzen bereits zu einer Geldstrafe von rund 1,4 Millionen Euro verurteilt worden. Zudem haben viele geprellte Kleinanleger Schadenersatzklagen gegen den einstigen Börsenstar EM.TV angestrengt. Bisher konnten sie sich vor Gericht jedoch nicht durchsetzen.

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