Wirtschaft : Psychologe und Geldcoach Bernhard Langwald bietet so genannte Geldseminare an

Hartmut Meesmann

Für manche Zeitgenossen trifft die schlichte Volksweisheit zu: Geld zerrinnt, wie man es gewinnt. Ständig leben sie über ihre Verhältnisse. Das Schuldenmachen gehört zu ihrem Alltag. Die einen beunruhigt das nicht weiter. Andere machen sich aber sehr wohl Gedanken darüber, warum sie ihr Geld nicht festhalten können, warum sie den Teufelskreis immer neuer Kredite und Schulden einfach nicht durchbrechen können, wenngleich sie es wollen. Immerhin haben nach einer Mitteilung der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung in Leipzig rund 3,5 Millionen Deutsche massive Geldprobleme. Die 640 Beratungsstellen könnten den Ansturm Ratsuchender kaum mehr bewältigen.

Andere Menschen haben andere Probleme: Sie scheffeln und scheffeln, sitzen dann auf dem vielen Geld und können es nicht zielgerichtet und lustvoll ausgeben. Und wieder andere würden am liebsten gar nichts mit Geld zu tun haben wollen.

"Was immer wir mit Geld erfahren", sagt der freie Unternehmensberater, Psychologe und Geldcoach Bernhard Langwald aus München, "es hat wenig mit Geld selbst zu tun, viel aber mit Wertvorstellungen, mit Lebenszielen und Lebensgefühlen."

Wie Menschen mit Geld umgehen, hat Hintergründe: "Da sind unbewusste Impulse im Spiel: Traditionelle Verhaltensmuster und bestimmte Erfahrungen aus der Herkunftsfamilie, Einstellungen der Eltern oder Großeltern, die in den nachfolgenden Generationen einfach weiterwirken, auch geheime Botschaften über Geld", erklärt der 60-jährige Bankkaufmann. Die indes durchschaut man nicht so leicht. Deshalb bietet Bernhard Langwald so genannte Geldseminare an. An einem Wochenende kann man sein Geldverhalten überprüfen und - so man will - seine Einstellung zum Geld verändern.

"Dass ich dieses ständige Schuldenmachen nicht in den Griff bekomme, nimmt mir meine ganze Lebenslust", klagt eine junge Frau in dem Seminar. Sie will sich endlich auch mal was zurücklegen können. "Was ist denn Dein Lebensziel?", fragt Bernhard Langwald. "Wenn Du kein Lebensziel hast, das Dich bindet, dann ist das Geld weg", erläutert er. Langwalds einfache Botschaft lautet: "Wir müssen uns das Geld dienstbar machen: für die eigenen Lebensziele" - wenn man denn welche hat. Geld, sagt Langwald ein ums andere Mal, sei kein Selbstzweck. "In der reinen Geldanhäufung liegt kein Sinn."

Langwald hat früher Computer verkauft. Dann zog es ihn hinaus in die Welt: Er war in Indien und bei den Indianern am Amazonas. Dort sei er, wie er erzählt, für einige Zeit in eine entbehrungsreiche "Lebensschule ohne Geld" gegangen. Was er dort und anderswo gelernt hat, will er weitergeben - gegen gutes Geld. Zum Beispiel die Botschaft, dass nur der wirklich reich ist und reich wird, der auch Geld weggeben, der spenden kann. "Geld ist fließende Energie, und nur das Geben und Nehmen ist wirkliches Leben."

Vier Arten des Umgangs mit Geld kommen bei dem Seminar in den Blick: das Einnehmen von Geld, das Ausgeben, das Sparen und das Investieren. Und immer wieder, so berichtet Langwald, zeige sich, dass Vermögensbildung das große Problem insbesondere der Mittelschichten sei. "Die Leute kontrollieren ihre Einnahmen, vielfach auch die Ausgaben; dann wird ein bisschen gespart - aber Vermögensbildung, das ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln." Deshalb geht es im Geldseminar auch ganz konkret um die persönliche Vermögenssituation. "Denn nur wer die Zahlen kennt, kann sehen, ob er sparen muss und wo er sparen kann und wie und wo er investieren sollte", erläutert Langwald.

Ein "Geld-Drehbuch", das jeder Teilnehmer des Geldseminars vorher sorgfältig ausfüllen sollte, kann bereits erste Hinweise auf einen eher problematischen oder doch schon lustvollen und sinnerfüllten Gebrauch des Geldes geben: In welche Wirtschaftslage wurde ich hineingeboren? Was haben meine Vorfahren besessen, geerbt, verdient? Bernhard Langwald nennt diesen Fragenkomplex den "Familienstammbaum über Geld". Gab es bestimmte Geldnormen in der Großfamilie? Wer hat in meiner Familie das Geld verdient, verwaltet, ausgegeben? Wofür wäre nie Geld ausgegeben worden? Wurde ich in Geldentscheidungen der Familie mit einbezogen? Ab wann?

"Meine persönliche Geldbiographie" nennt der Münchner Geld- und Unternehmensberater denn auch die Checkliste seiner Fragen für die Selbsterkenntnis. Denn: Geld ist ein Spiegel. Ein Spiegel, wie Langwald sagt, "tief verwurzelter Glaubenssätze über Geben und Nehmen, Sicherheit und Überleben, Selbstwert und Kreativität".

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