Wirtschaft : Pünktlich, freundlich, wissbegierig

Schule war gestern, jetzt startet das Berufsleben: Wie sich Jugendliche im Betrieb am besten präsentieren.

Claudia Bell
Damit der Start glückt. Lehrlinge brauchen zu Beginn der Ausbildung viel Hilfe und sollten keine Angst haben, um Rat zu fragen – nicht nur bei der Arbeit auf dem Dach. Foto: dpa
Damit der Start glückt. Lehrlinge brauchen zu Beginn der Ausbildung viel Hilfe und sollten keine Angst haben, um Rat zu fragen –...Foto: picture-alliance/ dpa

Die Schule ist beendet, der Ausbildungsvertrag unterschrieben: Jetzt kann der Start ins Berufsleben richtig losgehen. In den ersten Tagen im Betrieb gibt es aber jede Menge Fettnäpfchen, in die neue Lehrlinge hineintappen können. „Das Wichtigste ist zunächst, dass man sympathisch beim Chef und den Kollegen rüberkommt, dann ist schon mal viel gewonnen“, sagt Carolin von Richthofen, Karriereberaterin in Berlin. Neben dem Knüpfen von Kontakten sei es wichtig, ständig die Augen offenzuhalten, um zu sehen, wie der Hase läuft. Absolut tabu: Unpünktlichkeit und schlechtes Benehmen.

„Der Azubi sollte schon früh versuchen, ein Gefühl für die Erwartungen zu bekommen, die an ihn gestellt werden“, sagt von Richthofen. Die goldene Regel laute dabei, das richtige Maß zwischen Selbstständigkeit und Teamfähigkeit, zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit zu finden. Ein fataler Fehler, den viele in der Anfangszeit der Ausbildung machten, sei es außerdem, keine Fragen zu stellen und mit Scheuklappen durch den Betrieb zu gehen. Die Einstellung „das kann ich eh schon alles“ komme weder beim Chef noch bei den Kollegen gut an.

Das bestätigt auch Nora Zinsmeister. Die Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Stuttgart betont, wie wichtig es ist, Interesse am Beruf und am Unternehmen zu signalisieren. „Nachzufragen ist immer gut, wenn man immer alles nur abnickt, wird einem das schnell als Desinteresse ausgelegt – außerdem sind da die Fehler beim Arbeiten programmiert.“

Jedoch wundere sie sich manchmal, mit welcher Einstellung manch künftiger Azubi zum Gespräch bei ihr komme. Schon an der Körperhaltung, der Kleidung und am Benehmen könne sie oft erkennen, ob ein Jugendlicher tatsächlich Lust darauf habe, den gewählten Beruf zu erlernen. So sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass Jugendliche mit sauberer und unverknitterter Kleidung in der Firma erscheinen. Oft hapere es jedoch an so grundsätzlichen Dingen.

Zinsmeister empfiehlt angehenden Auszubildenden zudem, vor Beginn der Lehre ein mindestens einwöchiges Praktikum zu machen, um das Team kennenzulernen. So könnten beide Seiten schon einmal vorfühlen, ob die Zusammenarbeit klappen könnte.

Und noch etwas sei wichtig: Bei Handwerksberufen, bei denen man früh morgens anfangen müsse, sei ein Arbeitsplatz nahe dem Wohnort von Vorteil. „Wenn man morgens schon eine lange Anfahrt hat, bleibt die Motivation eher auf der Strecke“, sagt Zinsmeister. Neben täglich pünktlichem Erscheinen am Arbeitsplatz rät René Rudolf, Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Berlin, zudem allen Auszubildenden, auch die Berufsschule nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Die Zeit an der Schule sollte durchaus ernst genommen werden, denn auch das Benehmen, das man dort an den Tag legt, bleibt dem Chef in der Regel nicht verborgen.“

Machen Jugendliche am Beginn der Lehre negative Erfahrungen in ihrem Betrieb, sollten sie nicht gleich das Handtuch werfen. „Azubis sollten erst kündigen, wenn sie einen neuen Betrieb gefunden haben, der sie übernimmt“, sagt Rudolf. Denn oft sei es nicht leicht, eine andere Lehrstelle zu finden. Eine Kündigung sollte daher gut überlegt werden.

Kommt es zu Problemen im Betrieb, sollten Auszubildende die Lösung des Konflikts nicht auf die lange Bank schieben. Merken Lehrlinge, dass sie die Aufgabenstellung nicht verstehen oder die Erklärung, wie sie eine Aufgabe angehen müssen, sollten sie gleich nachfragen.

Der DGB bietet Auszubildenden bei Fragen und Problemen einen kostenlosen Online-Beratungsservice an. „Dr. Azubi“ beantwortet alle Fragen rund um die Ausbildung, die sich den jungen Menschen oft gerade zu Beginn ihrer Lehre stellen. „Damit möchten wir die Jugendlichen unterstützen, gleich von Anfang an ihre Rechte und Pflichten zu kennen", sagt Rudolf. (dpa)

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