Wirtschaft : Puma wird nach Rekordjahr vorsichtig

Sportartikel-Hersteller rechnet 2005 mit weniger Wachstum – Analysten sehen Ende des Lifestyle-Booms

Nicole Huss

München - Nach einem erneuten Rekordjahr will der Sportartikel-Hersteller Puma seine Erfolgsserie fortsetzen. Das seit Jahren ungebremste Wachstum wird sich nach Konzernangaben im laufenden Geschäftsjahr jedoch deutlich abschwächen. Analysten befürchten, dass der Lifestyle-Boom, auf den Puma seine Unternehmensstrategie ausgerichtet hat, bald zu Ende gehen könnte. Die Puma-Aktie ging am Montag auf Berg- und Talfahrt. Zu Handelsbeginn brach sie um mehr als fünf Prozent ein, erholte sich am Nachmittag jedoch wieder und sackte dann am Abend mit einem Minus von 3,71 Prozent auf 182,95 Euro erneut ab.

Puma-Chef Jochen Zeitz sagte am Montag, er erwarte 2005 ein Umsatzwachstum im mittleren bis oberen einstelligen Bereich. In den vergangenen Jahren hatte Puma dagegen immer zweistellige Umsatz- und Ergebniszuwächse vorgelegt. Im Jahr 2003 hatten die Franken die Umsatz- und Ertragsprognose insgesamt fünfmal nach oben korrigiert, im vergangenen Jahr zweimal. Der Wert der Puma-Aktie hat sich allein in den vergangenen drei Jahren verfünfzehnfacht.

Die allgemeine Marktsituation in Europa sei schwierig, begründete Zeitz seine zurückhaltende Prognose für 2005. Ob der Gewinn wieder – wie in den vergangenen sechs Jahren – stärker als der Umsatz wachsen werde, könne er noch nicht sagen. Auch anderen Sportartikelhändlern macht die Konsumflaute in Europa zu schaffen. In Deutschland gingen die Umsätze im Sportfachhandel im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf knapp sieben Milliarden Euro zurück.

Für das vierte Quartal 2004 konnte Puma dennoch glänzende Zahlen präsentieren: Der Umsatz stieg um 20 Prozent, der Konzerngewinn erhöhte sich um 24,5 Prozent auf 37,1 Millionen Euro. Auch auf das abgelaufene Geschäftsjahr blickte das fränkische Unternehmen am Montag zufrieden zurück: Der Umsatz stieg um gut 20 Prozent auf 1,53 Milliarden Euro, der Konzerngewinn nahm um 43,5 Prozent auf 257 Millionen Euro zu.

„Wir haben die zu Jahresbeginn gesteckten finanziellen Ziele erneut deutlich übertroffen“, stellte Zeitz fest. Zu dem guten Ergebnis hätten alle Regionen und Segmente beigetragen. Den größten Umsatz machte Puma mit Schuhen, gefolgt von Textilien und Accessoires. Der Konzern kündigte an, die Dividende von 70 Cent auf einen Euro zu erhöhen. Der Kurs der Puma-Aktie war im abgelaufenen Geschäftsjahr um 47 Prozent gestiegen.

Zeitz sagte, er sei optimistisch, dass es trotz des schwierigen Marktumfeldes auch in Zukunft Chancen und Möglichkeiten gebe, das vorhandene Potenzial der Marke weiter auszuschöpfen. Analysten sind da skeptischer: Sie fürchten seit längerem, dass der Boom für Lifestylemode zu Ende gehen und Puma mit seiner riskanten Ausrichtung auf das Modesegment in die Krise ziehen könnte. Anders als Konkurrenten wie Adidas setzt Puma nicht auf funktionale Sportartikel, sondern vor allem auf trendige Sportbekleidung, die in der Freizeit getragen wird. „Vielleicht hat die Popularität der Marke Puma ihren Höhepunkt schon überschritten“, mutmaßt Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Ein anderer Analyst befürchtet, der vorsichtige Ausblick für das Jahr 2005 sei der „Anfang vom Ende einer beeindruckenden Wachstumsstory“.

Puma-Chef Zeitz versucht derartige Bedenken zu zerstreuen. Der Konzern sei nicht von Modetrends abhängig, sondern setze als Kultmarke inzwischen selber Trends, lautet sein Credo. Bisher lag Zeitz damit richtig: Ihm hat Puma seinen Erfolg zu verdanken. Als er vor elf Jahren im Alter von 29 Jahren an die Konzernspitze rückte, war Puma als Billigmarke vor allem in Ramschläden zu finden und wurde von Konkurrenten wie Adidas nur belächelt.

Dann krempelte Zeitz das Unternehmen in mehreren Schritten radikal um: Er verordnete Puma ein Sparprogramm mit Stellenabbau, verlagerte die Produktion in Niedriglohnländer und stellte die Kollektion von reinen Sportartikeln auf Mode und Lifestyle um. Heute hat die Marke Puma Kultstatus und zieht vor allem junge, kaufkräftige Kundschaft an.

Für 2006 setzt Puma große Hoffnungen in die Fußball-Weltmeisterschaft. „Wir wollen mindestens fünf Teams ausrüsten“, sagte Zeitz. Im vergangenen Jahr war Puma schon bei der Europameisterschaft in Portugal stark vertreten gewesen.

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