• Putin in Berlin: Vier Milliarden Mark für Russland: Deutsche Unternehmen und Gazprom unterzeichnen Investitionsabkommen

Wirtschaft : Putin in Berlin: Vier Milliarden Mark für Russland: Deutsche Unternehmen und Gazprom unterzeichnen Investitionsabkommen

kvo

Verträge im Wert von vier Milliarden Mark bringt Wladimir Putin mit, wenn er nach Moskau zurückkehrt: Der russische staatliche Energiekonzern Gazprom und vier deutsche Unternehmen unterzeichneten am Freitag entsprechende Absichtserklärungen. Darüber hinaus hat der Besuch des russischen Premiers der deutschen Wirtschaft Hoffnung auf mehr gemacht: Mit der Wiederaufnahme der seit 1998 gestoppten staatlichen Hermes-Bürgschaften für das Russland-Geschäft werden eine Reihe neuer Geschäfte ermöglicht. "Wir sind auf einem positiven Pfad", sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold. Er habe die Hoffnung, dass Putin die notwendigen Wirtschaftsreformen in Russland tatkräftig angehen werde.

Einen besonders großen Brocken der am Freitag abgschlossenen Verträge hat die Wintershall AG übernommen. Sie ist mit der Gazprom ein Joint-venture zur Erdölförderung eingegangen und will rund zwei Milliarden Mark investieren. "Wir rechnen damit, dass die Förderung im Jahr 2004 beginnen kann", sagte Pressesprecher Klaus Karl Kaster am Freitag. Für die Wintershall AG ist es das erste russische Investitionsprojekt, obwohl man bereits seit über zehn Jahren mit der Gazprom zusammenarbeitet.

Mit der Essener Ferrostaal AG wurde ein Vertrag über eine Anlage zur Produktion von Methanol in Archangelsk geschlossen, der sich auf rund 800 Millionen Mark beläuft. Ein weiterer Vertrag mit der Salzgitter Anlagenbau GmbH macht rund eine Milliarde Mark aus. Mit der Ruhrgas AG, die seit 30 Jahren mit der Gazprom zusammenarbeitet, wurde ein "Memorandum of Understanding" geschlossen. "Das Papier hat einen ganz anderen Charakter als ein Investitionsabkommen", erläutert Ruhrgas-Pressereferentin Antje Nickel. "Wir wollen gemeinsam Projekte zur Energieeinsparung und zum Umweltschutz durchführen - in welcher Höhe dabei investiert wird, ist noch nicht abzusehen." Durch die Projekte sollen Energie-Einsparpotentiale in Russland ermittelt und realisiert werden. Die Ruhrgas AG hat 1998 als erstes westliches Unternehmen ihre langjährigen Geschäftsbeziehungen zur Gazprom mit einer Beteiligung am russischen Gasmonopolisten gefestigt und hält zurzeit vier Prozent der Anteile.

Bei den Hermes-Garantien wurde eine Lösung dadurch möglich, dass die russische Regierung sich bereit erklärte, die Hermes-Altfälle von rund 600 Millionen Mark zu bereinigen. Als Obergrenze für die Exportgarantien wurde jetzt ein Betrag von einer Milliarde Mark festgelegt. Die Einzelheiten sollen Experten bis Ende des Monats festlegen. Beobachter erwarten, dass es auf dem Treffen der EU-Finanzminister in Lissabon zu einer Vertragsunterzeichnung bei den Umschuldungsvereinbarungen kommen wird. Ein kompletter Erlass der russischen Altschulden wird allerdings ausgeschlossen. Bereits im Vorfeld des Besuches hatte die Bundesregierung erklärt, ein genereller Schuldenerlass komme nicht in Frage.

Nach Putins Visite leben jetzt Erwartungen auf neue Geschäfte auf. "Der Besuch wird positiv bewertet", hieß es bei BMW in München. Die Russen hatten bereits im Vorfeld signalisiert, dass sie sich ein stärkeres Engagement der Autoindustrie wünschen. Vertreter des Mittelstands lobten vor allem die Einigung bei den Export-Bürgschaften. Bundeskanzler Schröder (SPD) erwartet, dass die Deutschen eine "führende Rolle" bei der Modernisierung Russlands übernehmen werden. Die Wirtschaftsbeziehungen sollen jetzt durch eine neue Arbeitsgruppe und eine Verstärkung des Investitionsrates belebt werden.

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